Seite 13 von 13
Verfasst: So Feb 01, 2004 15:37
von The Dodger
Ungläubig lauscht Gareth den Geschehnissen des Logbuchs, die Wickham mit seiner penetranten Stimme vorliest. In seinen Gedanken lässt er den nächtlichen Besuch der vorletzten Nacht Revue passieren und die Schilderungen des Logbuches führen ihm die Züge des Wesens nur allzu deutlich vor Augen. War es dasselbe Wesen? Nein, das konnte nicht sein, denn das Wesen war irgendwo auf hoher See kielgeholt worden, und selbst wenn es diese Prozedur überlebt hatte – nicht sonderlich wahrscheinlich, aber nicht auszuschließen, denn es gab keinen Beweis für seinen Tod – würde es das Schiff niemals wieder gefunden haben... Gareth unterbricht seine Überlegungen, die ohnehin nirgendwohin führten, und hörte Wickham bei seinen Ausführungen zu. Der Mann hört sich scheinbar gerne reden denkt er sich, und lässt Wickham sein Vergnügen.
Doch der Gedanke an das Wesen lässt ihn nicht los. Was kann diesen Mann zu dem gemacht haben, was er geworden ist? Eine Krankheit? Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Ich habe noch nie von etwas derartigem gehört. Keine Krankheit kann jemandem Schwimmhäute wachsen lassen! Doch was sollte es sonst sein? Etwa eine Art Besessenheit? Etwas, das die Kontrolle über einen "Wirt" an sich reißt und ihn dabei schrecklich verformt? Das wäre eine Erklärung, wie es das Kielholen überstanden hätte... es wäre einfach aus dem Toten gefahren und hätte sich ein neues Opfer gesucht, Swaine vielleicht. Nein, so ein Quatsch! Gareth, reiß dich zusammen, so etwas gibt es nicht. Aber Swaine bleibt trotzdem verdächtig.
Inmitten seiner Überlegungen wird sich Gareth gewahr, dass Wickham tatsächlich aufgehört hat, zu reden. Welch ein Segen! kommt es ihm in den Sinn.
Plötzlich erhebt sich Schwester Ilsegart, die bis dato nur stoisch auf ihrem Platz saß, und stürmt sich bekreuzigend aus der Kabine.
Dann richtet Rose das Wort an Wickham, und steht kurz darauf auf. Schneller, als Gareth erwartet hat, ist sie bei dem verdutzten Wickham, schnappt sich sie Statuette und macht sich auf Richtung Tür. Das reißt nun auch Gareth vollends aus seinen Gedanken.
"Miss Rose, was zum Teufel haben Sie vor?! Wenn wir diese Figur ins Meer schmeißen, verlieren wir unseren einzigen Anhaltspunkt! Ganz davon abgesehen, dass wir nicht so abergläubisch sein sollten, einem Stück Holz die Schuld an alledem hier zuschreiben zu wollen!" Während dieser Worte verlässt auch er seinen Platz und bewegt sich zur Tür. Rose zögert einen Moment, doch nicht lange genug, und bevor Gareth die Tür erreicht, ist Rose hinaus. Mit einem letzen Blick auf Wickham, der mit seinem offenen Mund aussieht, als wolle er etwas sagen, stürmt Gareth ebenfalls auf Deck. In dem Chaos, das dort tobt, kann er Rose jedoch nicht sofort ausmachen, allerdings kann er die Schwester ausmachen, die sich gerade erhebt und irgendetwas schreiend auf einen Matrosen zeigt. Gareth ignoriert die Szenerie und sucht mit hektischen Blicken nach Rose. Hoffentlich besinnt sie sich! betet er fast, und eilt los, nachdem er ihre Gestalt an einer Reling ausgemacht zu haben glaubt.
Verfasst: Mo Feb 02, 2004 0:28
von Lhankor Mhy
Wickham ist von der plötzlichen Aktivität in der Kapitänskabine etwas überrascht. Nachdem zuerst Schwester Ilsegart und dann auch noch die Dame Rose Roberts, letztere mit jener unseligen Statuette des verstorbenen Schotten, aus der Kabine gestürzt sind, und auch der Medikus hinterherstürmte, liegt gerade eine Aura der Geschäftigkeit im Raume, der sich auch Wickham nicht entziehen kann.
"Mein guter Thomas, warum nimmst Du nicht jenen tüchtigen, jungen Seemann McConnell hier mit Dir, während Du den Rudergänger Isaak Swaine hierher in die Kapitänskajüte eskortierst, auf daß wir ihm im Namen des Kapitäns ein paar Fragen stellen können?" spricht Wickham und sein Tonfall macht klar, daß es sich nicht um eine Frage handelte. "Ach ja, während Du dann gerade an Deck unterwegs bist, könntest Du vielleicht auch kurz bei der guten Schwester Ilsegart nach dem Rechten sehen. Ich glaube, sie hat irgendetwas bei einem der Matrosen draußen bemerkt, was sie in Unruhe versetzt hat. - Wichtiger ist jedoch, daß ich den Rudergänger zur Befragung präsentiert bekomme!" Mit diesen Worten setzt sich Wickham wieder und gießt sich ein Glas Port ein.
Verfasst: Mo Feb 02, 2004 23:26
von Tradain
Rose sieht Gareth aufstehen "Nein, Du hälst mich nicht auf, ich will in Ruhe nach Amerika und mien neues Leben leben. Und wenn ich die mAnnschaft beruhigen kann indem ich dieses Ding loswerde, dann soll`s mir recht sein!" denkt sie und hastet nach draußen. Kurz stolpert sie über den langen Rock, als sie die Stufen zum Deck erklimmt., doch sie kann sich noch aufrichten bevor Gareth sie erreicht. Rasch schlüpft sie an einem Matrosen vorbei, der gerade die Treppe hinabsteigen will und nun den Aufgang für Gareth versperrt. Endlich an Deck atmet sie die Nachtluft ein...Gareth flucht und stürmt kurz darauf aus der Luke.
Schnell läuft Rose zur Reling und hält das Ding übers Wasser.
"Ich werfe dieses Ding nun in`s Meer. Wenn es der Grund für unseren...Unfall war, dann wird es uns heute Nacht nichts mehr antun können. Seht alle her! Es ist ganz leicht!".........
Verfasst: Di Feb 03, 2004 9:59
von Dor Kalach
"Ay, Master" mein Thomas nur knapp, blickt McConnell nur an, Zuckt mit dem Kopf gen Tür und stürmt hinaus.
Der Seemann, der gerade die Treppe herunterkommt ist sichtlich ungehalten, denn er wurde gerade von zwei weiteren Gästen überrannt und stellt sich Thomas massiv in den Weg, was allerdings damit endet, dass sich der erheblich grössere Thomas nur ncoh weiter aufplustert und mit einem harten Blick gerade in die AUgen des Matrosen blickt, der 2 Stufen höher auf der Treppe steht.
Dies gibt McConnell Zeit, nachzukommen, denn auch er schien etwas überrascht von der spontanen Geschäftigkeit.
Endlich an dem Matrosen vorbei (der übrigens etwas kleinlaut Platz gemacht hat) stürmt Thomas auf Deck.
In der Nacht lässt sich kein direktes Gesicht ausmachen und Swine ist nicht direkt zu sehen. Das hat Zeit denkt sich Thomas.
Wo ist Rose, und was hat sie vor. Sie wird sich noch ins Unglück stürzen, und das Jetzt, wo ich endlich jemanden...
Das flatternde schwarze Gewand der Schwester reisst Ihn aus den Gedanken. Sie kniet am Boden, die Hand ausgestreckt und zeigt mit dem Finger anklagend, ja geradezu verurteilend auf eine Gestalt.
Thomas stürmt los, hechtet auf die Gestalt zu und wirft sie zu Boden.
IN einem harten Ringkampf schafft er es aber, die Gestalt zu bändigen und drückt sie zu Boden. McConnell hätte nun beste Gelegenheit, sich aus seiner Starre zu lösen (Es scheint ihm alles viel zu schnell zu gehen) und den Gesellen zu binden. Ein Seil wird er ja wohl haben.
Erst jetzt sieht Thomas, wer diese Gestalt eigentlich ist. Es ist Higgins, Sam higgins, der Mann mit den vielen Amuletten, der zu Anfang ihr Gepäck getragen hatte...
Verfasst: So Apr 03, 2005 10:30
von Daniel
"Zwar hatte ich kurze Zeit Bedenken, als ich den doch irgendwie mitleiderregenden Ausdruck in den glotzenden Augen des Mannes - wenn ich es so nennen kann - sah, kurz bevor wir ihn, an ein Tau gebunden, ins Meer stießen, unter den Kiel zogen und anschließend das Tau kappten."
Seltsam, aber so steht es geschrieben, im Logbuch des Kapitäns.
Auf dem Meer zieht eine unheimliche Nebelwand auf, die das Schiff langsam einhüllt, und es zwingt seine Fahrt zu reduzieren. Nebelformationen auf dem offenen Meer sind äußerst selten.
Die Statue fällt ins tiefe Schwarz des Meeres. Gareth könnte mit einem gewagten Sprung ins Nichts versuchen sie noch zu retten...
Verfasst: Mo Apr 04, 2005 20:49
von The Dodger
Nach wenigen weiteren Augenblicken erreicht Gareth Rose’s Gestalt – nur um mitanzusehen, daß er doch eine Sekunde zu langsam gewesen ist. Wie versteinert steht Rose da, den Arm vom Wurf noch ausgestreckt, und schaut mit leerem, fast versteinertem Blick der Statue nach, die in hohen Bogen auf das Meer hinaus fliegt. Bei dem tosenden Wind kann sich Gareth das leise Platsch nur vorstellen, als die groteske Figur in die Wellen klatscht. Warum hast du das getan? besagt der kurze vorwurfsvolle Blick, den er Rose zuwirft, doch sie scheint ihn nicht wahrzunehmen. Einen Augenblick später steht Gareth auf der Reling und springt in die schwarzen Fluten.
Erst als er in das kalte Wasser eintaucht, realisiert er seinen Fehler. Und warum habe ich DAS getan? jagt es ihm durch den Kopf. Sonst traust du dich doch kaum in einen träge fließenden Fluß, Gareth, du Idiot! Sein Schwung treibt ihn tief unter Wasser und er fängt an, mit Händen und Füßen zu strampeln, um die Oberfläche wieder zu erreichen. Hat ihn da gerade etwas gestreift? Trotz des Salzwassers reißt Gareth die Augen auf. Was er sieht, läßt ihn vor Schock in seiner Bewegung innehalten. Er ist nicht allein. Schatten. Überall um ihn herum. Das Licht ist viel zu schwach, um mehr zu erkennen, doch sie sind da. Und sie sind so groß wie er selbst. Wie viele mögen es sein? Ein Dutzend? Zwei? Wie viele verbergen sich in der Dunkelheit jenseits seiner Sicht? Bei dem Gedanken wird ihm schwarz vor Augen. Doch die Schatten sind zu weit weg, um ihn berührt haben zu können, wird ihm klar. Und als seine Sicht zurückkehrt, sieht er sie. Die Kreatur huscht unter seinen Füßen vorbei. Lang und dünn. Eine Seeschlage! schreit es in seinen Gedanken. Wie ein langer grüner Faden, den eine unbekannte Macht durch das Meer zieht, kommt sie ihm vor. Erst als er sie nicht mehr sehen kann, fällt ihm auf, daß er keinen Kopf erkennen konnte...
In diesem Moment löst er sich aus seiner Starre und versucht, um so verzweifelter wieder an nach oben zu kommen. Augenblicke später bricht Gareth durch die Oberfläche. Wo ist das Schiff? Die Statue ist auf einmal zur Nebensache geworden, Hauptsache raus aus dem Wasser, weg von den Schatten und der Schlange. Mühsam kämpft er gegen die Wellen an, kommt jedoch kaum voran. Im Augenwinkel sieht er etwas in Armeslänge von ihm entfernt im Wasser treiben. Die Statue, der er dies alles zu verdanken hat. "Verdammtes Ding!" schreit er und greift nach ihr. Doch in dem Moment, in dem er sie mit seinen Fingern umschließt, verlassen ihn seine Kräfte. "Hilfe! Helft mir!" schreit er panisch Richtung Schiff, und hofft, daß der Wind seine Worte nicht übertönt...
Verfasst: Mi Apr 06, 2005 11:20
von Dor Kalach
Mit einigen harten Griffen wird Higgins mit einem umherliegenden Tau gebunden und mittels eines Stofffetzens auch gleich zum Schweigen gebracht. "Sei still, es klärt sich alles.". Thomas setzt sich auf und zerrt Higgins mit Hilfe des immer noch bass erstaunten McConnell in Richtung unterdeck, als er Rose gewahr wird. "McConnell, schaffen Sie das alleine?" und wendet sich Rose zu und folgt ihrem starren Blick aufs meer.
Verfasst: Mi Apr 06, 2005 15:31
von DonJohnny
McConnel nuschelte etwas wie "Bestimmt." in sich hinein, machte Anstalten irgendetwas zu tun erlag aber bald der Unfähigkeit seines angsterfüllten Geistes, wieder Herr über seinen Körper zu werden. Er setzte sich langsam aber plumb zu Boden, apatisch dreinschauend, und verweilte nun, harrend der Dinge die da kommen werden.
Verfasst: Mi Jun 01, 2005 16:50
von Lhankor Mhy
Der Port verfehlte seine beruhigende Wirkung auf Wickham diesmal. Nachdem alle herausrannten, verbleibt Wickham allein mit Kapitän Clifford, der immer noch nicht ansprechbar scheint. Die Petroleum-Lampen werfen unruhige Schatten an die dünnen Holzwände, die alle Menschen an Bord vor dem nassen Tod in einem kalten, lebensfeindlichen, emotionslosen Element bewahren.
Doch was ist das? Die Schatten scheinen sich zu vertiefen. Wickham dringt ein feucht-moderiger Geruch in die Nase. Aufdringlich, aber auf aufdringliche Art und Weise auch vertraut. Er kennt diesen Geruch, doch woher? In den zunehmenden Schatten hat Wickham das Gefühl kaum noch die ganze Kajüte sehen zu können. Er nimmt Kapitän Cliffords zusammengesunkenen Körper kaum noch wahr. Das Licht scheint gelblicher und die Lichstrahlen wirken schwer wie Blei. Wie wird mir? denkt Wickham, Von dem einen Glas Port kann ich doch nicht sogleich so müde sein? - Oh, wie ist die Luft hier schlecht und stickig! Wickham wird es warm und er fühlt eine Schwüle im Raum, die ihn trotzdem frösteln macht. Er meint am Rande seines Hörvermögens eine Musik zu hören. Etwas singt und trommelt. Lockende Laute. Daheim. Komm. Komm! KOMM!!
Fast mechanisch erhebt sich Wickham und verläßt die Kapitäns-Kajüte. Wickham bietet sich eine chaotische Szene an Deck. Vor der Kajütentüre stolpert er fast über den Seemann McConnell, der augenscheinlich neben einem verschnürten Kameraden, zweifelsfrei als Sam Higgins zu erkennen, an Deck sitzt. Schwester Ilsegart kauert mit entsetzter Miene auf den Holzplanken und schaut mit weiten Augen auf den Verschnürten. Dame Roberts steht wie zur Statue erstarrt an der Reling, einen Arm so von sich gereckt, als würde sie die Hand eines galanten Tänzers für die nächsten zwei Tänze erwarten. Daneben der treue Thomas, dessen Gesichtsausdruck Besorgnis über die Verfassung der guten Dame Rose ausdrückt.
Wickham geht wie im Londoner Nebel zur Reling vor. Ich komme. Endlich. Nach. Hause. geht es ihm durch den Kopf. Da übertönt ein Ruf das Kreischen des erbarmungslosen Windes. Eine Stimme, die Wickham sofort entnervt und verärgert dreinblicken läßt. Die Aufwallung bringt die Röte in Wickhams Gesicht zurück und holt ihn wieder in seine gewohnte klare Welt zurück. Ein Hilferuf! Potzblitz!
Wickham schaut über die Reling und sieht das Gewand von Master Stratton - Schrecklicher Schneider, wie kann man nur so etwas tragen? - im Wasser mitten in den gischtenden Wogen der gefährlichen See. Seine gewohnten Reaktionen greifen hier vor einem bewußten Reflektieren Wickhams über seine bisherigen Differenzen mit Master Stratton und wie dessen jetziger Umstand eine zwangsläufige Folge seiner unangemessenen Lebensführung sein mochte.
"THOMAS, SCHNELL! EIN SEIL! NIMM GLEICH DAS DA DRÜBEN UND WIRF ES MASTER STRATTON ZU!" ruft er, während er sich nach Seeleuten umschaut. Er entdeckt ein paar Matrosen, die tun, was auch immer ein Matrose in diesem Wetter an Bord tun mag. Egal! denkt sich Wickham und ruft: "Ihr da, Matrosen! MANN ÜBER BORD! Los helft meinem Leibdiener den Medicus aus den Fluten zu ziehen! Na los! Bewegung! Bewegung!"
Völlig perplex über die mit befehlsgewohntem Tonfall geäußerten Anweisungen springen zwei Matrosen Thomas bei. Einer macht ein Ende des Seils, welches Thomas gerade am Auswerfen ist, am Boot fest, ein anderer macht mit gekonnten Seemansknoten ein kleines Fäßchen an einem Seil fest, das im Wasser wohl schwimmen würde, und knotete noch ein helles Stück Tuch an. Beides warf er in Richtung auf Master Strattons Rock im Wasser und sagte zwischen den Zähnen gepreßt zu Wickham "Damit wir'n leichter wiederfind'n nach'er Halse. - Ähm, Sir." - Der erste Seemann lief unterdessen zum Steuermann "Mann über Bord!". Der Steuermann ruft laut: "MANN ÜBER BORD! Holt das Zeug rein, Leute! Jeden Fetzen!" und die Seeleute setzen sich hurtig in Bewegung.
Wickham, nun gewiß, daß er nicht mehr zu tun vermochte, als er gerade getan hat, wirft einen Blick zum um sein Leben schwimmenden Master Stratton und sagt zu Thomas: "Guter Thomas, versuche bei der Liebe des Herrn alles, um dieses Leben zu retten! Er darf noch nicht sterben, ehe ich ihm nicht deutlich gemacht habe, welch Unschicklichkeit und Unannehmlichkeit er mit seiner Eskapade da draußen im Wasser verursacht hat. Da könnte ja sonst jeder kommen und sich so aufspielen!" - Trotz seiner gewohnt arroganten Worte konnte Thomas am Gesicht Wickhams sehen, daß er ehrlich besorgt um Master Stratton war. Und noch etwas fiel auf. Eine Art Dunkelheit, die in Wickhams Blick lag. So ähnlich, wie vor ein paar Tagen nach seinem heftigen Alptraum an Bord. Aber jetzt war nicht die Zeit darüber nachzudenken, jetzt blieb sein Blick fest an Stratton haften. Die provisorische Boje in dessen Nähe erleichterte durch ihre Auffälligkeit wirklich beim ständigen Auf und Ab der Wellen die Stelle nicht zu verlieren, wo Stratton im Wasser strampelte.
Wickham ging inzwischen zu Schwester Ilsegart herüber, ließ sich in die Hocke herab und fragte sie: "Gute Schwester Ilsegart, ist Euch nicht wohl? Warum schaut ihr so entsetzt auf jenen Seemann dort?" und wies dabei auf den gefesselten Higgins.
Verfasst: Mo Jun 06, 2005 23:29
von Lhankor Mhy
Im geistigen Nebel, der Kapitän Clifford umgab, sah er ständig die flehenden Augen des armen Jungen, den er damals kielholen ließ. Da drang ein lauter Ruf an sein Ohr: "MANN ÜBER BORD!".
Sofort sprang seine lange Erfahrung an und brachte ihn auch ohne viel bewußtes Handeln schneller auf die Beine, als er es mit seinem benebelten Verstand hätte vollbringen können. Er stand schwankend, hielt sich gegen die nun lustig tanzenden Wände seiner Kajüte an einem Regal fest, bevor er - wieder etwas besser im Gleichgewicht - an Deck heraustrat. Er hörte gerade noch seinen Steuermann rufen "Holt das Zeug rein, Leute! Jeden Fetzen!"
Clifford schrie, daß es ihm rot und schwarz vor Augen wurde: "KOMMANDO ZURÜCK! - SETZT ALLES, WAS WIR NOCH AN ZEUG HABEN! - LOS, BEWEGUNG! - EIN MANN IN DEN AUSGUCK, UND DASS DER MIR EIN AUGE AUF DEN MANN ÜBER BORD BEHÄLT. GIB IMMER POSITION AN."
Er mußte sich etwas an dem Aufgang aufs Achterdeck festhalten. Ein leichtes Würgen machte sich bemerkbar und sein Herzschlag pochte in seinen Schläfen. Wickham wandte sich ihm zu und machte Anstalten wieder mal wortreich zu protestieren. "AN ALLE!" rief Clifford "ICH LASSE JEDEN, DER DAS MANÖVER BEHINDERT IN EISEN LEGEN!" Erneut mußte er sich festhalten, da das Brüllen ihn mehr mitnahm als es sonst der Fall gewesen wäre.
----
Master Stratton sah ganz in seiner Nähe ein Faß mit etwas farbigem Lumpen angebunden ins Wasser klatschen. Auch eine Leine wurde ihm zugeworfen, doch fiel sie flach aufs Wasser und er sah sie sich mit der Geschwindigkeit des Schiffes entfernen.
Mit wenigen, kraftzehrenden Schwimmstößen gelangte er zu dem leeren Faß, an welches er sich mit einem Arm klammerte. Die Kälte im Wasser machte seine Finger und seine Beine gefühllos. Er sah, wie die Seeleute an Bord mehr Segel setzten und sich die "Good Hope" mit mehr Fahrt als vorher von ihm entfernte. "Good Hope"! Wie zynisch! dachte er noch. - Jetzt war er einsam und allein im Meer. Allein? Vielleicht nicht ganz allein...
----
Die "Good Hope" machte gute Fahrt. Der abgestellte Seemann hatte im Ausguck das Faß mit dem bunten Tuch noch im guten Blick und gab ständig Richtung und Entfernung an. Er wußte, ein Blick zur Seite und er mochte den Punkt auf See nie wieder finden, wo der unglückliche Schwimmer einem nassen Tod geweiht wäre. Trotz der beißenden Gischt, die bis nach oben an den Mast geweht wurde, hielt er die Augen fast ohne zu blinzeln offen.
Clifford gab Kommandos, die das Schiff auf den Kurs mit der maximalen Geschwindigkeit brachten. Bei der Takelung der "Good Hope" war der Halbwind, also etwa rechtwinkelig zur Windrichtung die richtige Position. Das Schiff gewann zusehends an Fahrt. Es flog nach nur ein, zwei Minuten fast über die Wellenberge. Da gab Clifford das Kommando zur Wende. Er drehte den Bug in den Wind. Das brachte die Segeln mit einem Ächzen auf die andere Seite. Clifford hieß den Steuermann weiterzudrehen, bis das Schiff auf Gegenkurs lag. Wenn alles gut lief würden sie den Schiffbrüchigen in gewissem Abstand auf seiner Leeseite passieren können.
Nun ging alles sehr schnell: in dem Moment, wo der Schiffbrüchige genau in Luv war, befahl Clifford: "DREH SIE HART IN DEN WIND! KURS SCHIFFBRÜCHIGER VORAUS!"
Der Steuermann tat wie geheißen und das Schiff fuhr genau in den Wind hinein, direkt auf Master Stratton oder eher das Faß zuhaltend. Die Segel knallten, als der Wind genau in Gegenrichtung in sie fuhr und so das Schiff stark abbremste. Clifford war kein Anfänger. Er hatte sein Schiff so weit geradeaus fahren lassen, daß er nach der Wende und bei der Windgeschwindigkeit fast allen Vortrieb beim Fahren in den Wind einbüßen würde. Sie würden direkt auf Höhe des Treibenden passieren. Wenn das arme Schwein bis dahin noch lebt. dachte er, als er gespannt das markierte Faß näherkommen sah.
Clifford ließ noch zwei weitere Leinen mit Schwimmkörpern auswerfen und befahl "Zwei Mann mit Bootshaken an die Reling. Macht Euch bereit." Seine Mannschaft hatte zwar nicht das Format eines Kriegsschiffes, aber sie waren gut genug, daß sie ohne zu zögern handelten. Das ganze Manöver hatte nicht mehr als fünf vielleicht sechs Minuten gedauert. Wenig Zeit für solch ein schwieriges Segelmanöver, aber viel Zeit für einen Schwimmer zu ertrinken.
Die beiden Matrosen mit den Bootshaken sahen das Faß auf und ab dümpeln. Das Schiff hatte kaum mehr als Schrittgeschwindigkeit und bremste weiter ab. Sie machten mit starken Armen die Bootshaken bereit und einer meinte auch schon Master Strattons Gehrock erkennen zu können. "Da is'er! Achtung!" rief er und sein Kamerad nickte mit einem "Aye, mal sehen, ob er noch lebt."
Im Gegenwind war nur das Ächzen und Knarzen der Segel und der Takelage zu hören. Alles blickte gespannt auf die See. Jeder an Bord hielt den Atem an...
Verfasst: Do Dez 07, 2006 15:19
von Daniel
Doch nicht nur Master Stratton wurde an Bord gezogen. Um seine Beine hatte sich ein mit grünem, schleimigem Seetang überzogenes Tau gewickelt. Das Tau reichte mit dem anderen Ende noch immer ins Wasser...
Was auch immer dort unten sein mag sinnt auf Rache. Und ist nicht allein. Der Ruf nach Rache erschüttert das Innerste aller Seereisenden und klingt endgültig. Die Haare auf den Körpern derer die den Ruf vernehmen verweigern ihre natürliche Funktion sich aufzurichten. Das Gefühl, das daraus resultiert ist eine millionenfach gefühlte Lähmung, Hilflosigkeit und Ohnmacht, wie sie sicher noch kein Mensch, ja noch kein Lebewesen zuvor empfand.
"There is a silence where hath been no sound
There is a silence where no sound may be
In the cold grave, under the deep deep sea"
- Thomas Hood 1799-1849
Tekeli-li! Tekeli-li! Tekeli-li!
Dem unnatürlichen Ruf folgend, erhebt sich in guter Entfernung etwas aus dem Meer. Es ist keine Sandbank, es ist keine Insel, es ist kein Wal, und doch... es ist!