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Verfasst: Mi Feb 05, 2003 22:42
von Dor Kalach
Thomas begibt sich, nachdem Wickham mit Rose zum Kapitänstisch gewandelt ist zum Offizierstisch, wo er mehr oder minder freundlichaufgenommen wird. Die Männer sind alle ein paar Jahre älter als Thomas und blicken ihn teilweise etwas abschätzend an. Ein 'Diener', und der soll bei ihnen sitzen? Sie scheinen über den Stand eines 'man-servant' nicht ganz aufgeklärt zu sein.
Als sie Thomas darauf ansprechen weist er sie kurz und direkt darauf hin, dass er NICHT Diener ist, sondern Vertrauter und Adjudant seines Herrn.
Womit auch dieses Problem aus der Welt geschafft wäre.
Bei Salzfleich und einem Becher Portwein, (etwas sauer zwar, aber für Thomas genügte das) kommt man dann doch ins Gespräch. Die Offiziere werden nach und nach redseliger.(der Alkohol scheint zu wirken, was vielleicht auch daran liegt, dass der Großteil der Männer nebenher an kleinen Rumflaschen nuckelten.)

Thomas fragt beiläufig, wo das Schiff denn vorher gefahren ist, und wie lange die Manschaft schon dergestalt auf dem Schiff sei. Ebenso interessierte er sich für den Kapitän. Was es denn für ein Mann sei und wie man unter ihm arbeiten könne, da er doch einen recht ruppigen Eindruck gemacht hat.

Nach dem Essen bring Thomas noch das Anliegen seines Herrn vor:
"Nun wehrte Herren, gibt es einige unter Euch, die sich aufs Kartenspielen verstehen? oder sonst irgendwelcherart Spiele des Glücks? Mein Herr wäre hocherfreut, Euch später zu einer Runde Tarock oder dergleichen begrüssen zu dürfen. Schämt Euch nicht Eures Standes und nehmt seine Einladung an. An Rum wird es sicher nicht fehlen."

Verfasst: Fr Feb 07, 2003 20:28
von Tradain
Nachdem das Schiff nun endlich abgelegt hat geht es mir um einiges besser. Ich bin zwar noch etwas unruhig, was man aber meiner Jugend und dem Abenteuer allein zu reisen zuschreiben wird.
Als Wickham mich anspricht bin ich zuerst überrascht, aber ich fasse mich schnell
Vielen Dank mein Herr, ich dachte ich würde mich hier besser zurechtfinden, aber der rüde Umgang hier.....verlegen schaue ich zu Boden, nur um gleich wieder aufzuschauen und dem Lord mein reizendstes lächeln zu schenken
ich bin sehr erfreut, daß wenigstens einige der Passagiere sich zu benehmen wissen. Ich bin die Aufregungen der Stadt nicht gewohnt und so werde ich eine Weile brauchen, aber die begrenztheit des Schiffes wird mir die Eingewöhnung erleichtern.Ich nehme dankbar seinen Arm und gehe zum Essen.

Verfasst: Fr Feb 07, 2003 21:52
von Vera
Die Sonne ist bereits untergegangen und der Abendstern ist zu sehen. Schwester Ilsegart steht immer noch an der Reling und blickt auf das Meer als Thomas, wahrscheinlich nach Beendigung des Dinners, an ihr vorbeischlendert.

"Thomas" ruft sie "hätten Sie einen Moment Zeit für mich? Ich wollte Ihnen eine Frage stellen."

Thomas dreht sich verwundert um und nickt kurz. Die beiden gehen ein Stück über das, bis auf den Medicus, menschenleere Deck, abseits von allen anderen und unterhalten sich leise.

Verfasst: Sa Feb 08, 2003 14:49
von Lhankor Mhy
Die junge Dame, nimmt Wickhams Arm mit einem Lächeln, das seine Stimmung langsam wieder in normale Höhen steigen läßt. "Ich bedauere, daß ich bei dem Tumult heute untertags Euch, Master Wickham, nicht die Höflichkeit erwidern konnte mich Euch vorzustellen. Darum bitte ich Euch um Vergebung und möchte es nun, bevor wir bei Kapitän Clifford zu Gast sind, dies nachholen", sagt sie während sie auf dem Deck etwas die frische Luft genießt.

Sie bleibt stehen und wendet sich Wickham zu: "Ich bin Rose Roberts, die jüngste Tochter von Master Roberts aus Tewkesbury. Ich sehe Euch an, daß Euch weder der Ort noch meine Familie bekannt vorkommt. Mein Vater hatte nicht den Vorzug eine glückliche Hand bei seinen Geschäften zu haben, so daß wir in einem der - wie ich ungern zugeben muß - wenig anziehenden Landstriche Englands leben mußten. Wenn Ihr Euch wundert, ob möglicher Ungeschliffenheit meiner Rede und meines Benehmens, so ist dies mir durchaus bewußt. Leider - und glaubt mir bitte, daß es mir sehr peinlich ist dies sagen zu müssen, aber einem Manne Eures Standes und Eurer Welterfahrung wird so etwas wohl nicht ganz fremd sein - leider war es meinen Eltern nicht möglich für eine gute Ausbildung in allen Künsten, in Sprachen und Musik zu sorgen. Sie gaben mir, zu ihrer Ehre, alles, was sie zu geben vermochten, mag es in Euren und den Augen der Welt noch so wenig sein. Darum bitte ich Euch um eine Gefälligkeit. Wollt Ihr sie mir gewähren?"

Wickham ist etwas überrascht von der Direktheit dieser Ausführungen, aber die Offenheit der jungen Dame und die Erfahrung, daß ein solches Schicksal leider keine Seltenheit ist, rührt ihn doch an: "So sprecht, meine Dame, was ist Euer Wunsch? So es in meinem Vermögen steht, will ich Ihn Euch gewähren."

Rose tritt einen halben Schritt näher und spricht leise: "Mein hartes Schicksal und das Unglück meiner Familie müssen nicht auf dem ganzen Schiffe bekannt werden. Ich könnte die Scham nicht ertragen, wenn jemand mit weniger Kultur und Haltung als Ihr davon wüßte. Darum bitte ich Euch, verbreitet Eure Kenntnis um meine Herkunft nicht. Selbst wenn man Euch direkt danach fragt, bitte ich um Eure Verschwiegenheit. Versteht mich bitte nicht falsch! Nicht die Unwahrheit zu erzählen bitte ich Euch, sondern nur, wo immer Ihr die Wahl habt, lieber garnichts zu berichten, als mein Unglück offenzulegen. Wollt Ihr mir dies gewähren?" Sie schaut ihn mit offenem Blick an; vielleicht ein Hauch von Zweifel, ob Ihre Offenheit richtig gewesen sei, liegt in ihren Augen.

Wickham ist bewegt:"Meine Dame, Ihr könnt auf mich zählen. Eure Ehre ist mir wertvoll. Ich werde tun, was ich vermag, damit sie nicht beschmutzt oder auch nur angezweifelt wird." Rose vernimmt Wickhams Versprechen mit Erleichterung und strahlt ihn an. Sie nimmt eilig wieder seinen Arm und zieht ihn halb in Richtung der Türe zur Kapitänskajüte. "Ich bin ja so erleichtert, Master Wickham. Ihr seid ein Mann von Ehre, soviel ist gewiß! Wollen wir nun sehen wie Kapitän Clifford einen Abend zu gestalten weiß?"

Wickham führt die junge Dame an seinem Arm zur Kabine des Kapitäns in deren vorderem Teil ein Tisch hergerichtet ist, der gut einem halben Dutzend Personen Platz zum Essen bieten könnte. Der Kapitän geht schon abwartend auf und ab, eine Tabakspfeife in seinem Mund. Ein junger Matrose in anständiger Kleidung legt gerade noch letzte Hand an beim Aufdecken des Tisches. "Ah, da seid Ihr ja endlich." sagt Kapitän Clifford leicht ungeduldig. "Die Seeluft macht einen Mann hungrig. Ein paar Tage auf See und Ihr werdet das auch feststellen. Nun, nehmt bitte Platz!"

Wickham geleitet seine Begleiterin zu einem freien Stuhl auf der Rechten des Kapitäns - als einziger Dame von Stand an Bord gebührt ihr dieser Platz. Er rückt ihr persönlich den Stuhl zurecht, bevor noch der junge Matrose diesen Dienst übernehmen kann. Dann setzt er sich auf der anderen Seite des Kapitäns und sieht sich etwas in der Räumlichkeit um. Es hängen hier viele Erinnerungsstücke von früheren Fahrten, die Wickham gerne einmal etwas näher betrachten würde, jedoch muß er nun seine Aufmerksamkeit dem vollbärtigen Gastgeber schenken.

"Kapitän Clifford, ich bin erfreut über Eure Gastfreundschaft heute abend. Ich hätte eigentlich erwartet, daß der gute Master Stratton uns ebenfalls Gesellschaft leistet?" sagt Wickham zu Kapitän Clifford, der inzwischen Platz genommen hat. Der junge Matrose beginnt aufzutragen. "Master Stratton ist recht eigenwillig, Master Wickham", erwidert der Kapitän mit etwas säuerlicher Miene und zieht noch einmal an seiner Pfeife, bevor er sich dem Essen zuwendet. "Dies habe ich auch feststellen müssen, Kapitän Clifford" sagt Wickham und ergänzt: "ich glaube er hat Probleme, die von Gott gegebene Ordnung der Gesellschaft so hinzunehmen, wie man es von einem guten Christenmenschen erwarten würde." Der Kapitän spült seinen Bissen mit etwas Wein herunter und schaut Wickham skeptisch an: "Und, mit Verlaub, dieses Problem habt Ihr natürlich nicht, Master Wickham?"

Wickham ist regelrecht erstaunt: "Natürlich nicht, ich kenne meine Position und weiß um die Verantwortung, die damit verbunden ist! Wie könnt Ihr so etwas auch nur in Erwägung ziehen!" entrüstet er sich. Kapitän Clifford lehnt sich bedächtig zurück, schaut an die Decke und dann wieder zu Wickham: "Die Englische Nation hat eine von Gott gewollte Ordnung der Dinge, die zu Wohlstand und Blüte Englands führt. Einen Teil des Wohlstandes verdankt England den ausgezeichneten Seefahrern, die das Englische Wesen auf der ganzen Welt verbreiten. Damit ein Schiff jedoch seine Bestimmung erfüllen kann, benötigt es eine Mannschaft und eine Ordnung, in der das Leben an Bord für alle geregelt wird. Seht es so wie eine kleine Nation. Damit eine Nation ihr gottgewolltes Schicksal erlangen möge, bedarf es eines Volkes und einer Ordnung. Die Ordnung durchzusetzen müssen bestimmte Stände geschaffen werden. Und den Kurs der Nation bestimmt der Souverän." Wickham hört sich diese Ausführung mit leichtem Unbehagen an, er greift zum Weine und läßt sich das Glas noch einmal auffüllen, da er schon ahnen kann, was jetzt kommt.

Kapitän Clifford fährt fort. "An Bord eines Schiffes ist es die vornehmste Aufgabe des Kapitäns, diese Ordnung, die es allen erlaubt mit dem Schiffe das Ziel sicher zu erreichen, aufzustellen. Er ist König, Richter, General in einem. Er muß sich um alles an Bord kümmern. Da dies natürlich zuviel der schweren Bürde ist, bedarf es der Maate und anderer Seeleute von Rang, die in ihren Aufgaben den Kapitän unterstützen. Wenn ein Maat etwas anordnet, so ist dies, als ob es der Kapitän selbst angeordnet hätte. Darum ist dem auch unbedingt Folge zu leisten. Habe ich dies klar dargestellt, Master Wickham?"

Wickham nickt und konzentriert sich auf sein Essen. 'So ein selbstgefälliger Bursche! Er erreicht fast den Grad an Impertinenz, den Master Stratton bisher unangefochten als Einziger erklommen hatte.' Nach ein paar Minuten schweigenden Essens wendet sich Kapitän Clifford mit etwas leichter Unterhaltung an die junge Dame Rose und Wickham regt sich etwas ab. Die Unterhaltung geht vom Wetter auf See und den Seevögeln, die den ganzen Tag noch das Schiff begleitet haben bis zu Reiseberichten von Kapitän Cliffords Fahrten. Manches wohl übertrieben, aber auf eine krude Art doch unterhaltend.

So endet das Essen mit einem mittelmäßigen Port, etwas Trockenobst und in heiterer Stimmung, als es begann. Wickham ist von der Qualität des Essens an Bord nicht angetan - einfach und langweilig, nicht gerade eine Zierde der Englischen Kochkunst. Doch verglichen mit dem Essen in den Deutschlanden vor ein paar Jahren ist es immer noch um Vieles besser - wie man nur andauernd Kriege führen kann, wenn sich beinahe das gesamte Volk nur von Kohl und anderen Krämpfe auslösenden Nahrungsmitteln ernährt, wird Wickham ewig ein Rätsel bleiben. 'Die Englische Küche ist - selbst wenn sie so einfach und schlicht daherkommt wie hier an Bord - wohl die wohlschmeckendste und bekömmlichste, sowie die nahrhafteste, die je eine zivilisierte Nation hervorgebracht hat.' denkt sich Wickham, während der Kapitän gleich nach dem letzten Mundvoll Port wieder seine Pfeife mit einem Kienspan zum qualmen bringt.

"Sagt, Kapitän Clifford, ist Euch am Ende eines Tages wie diesem vielleicht nach der Zerstreuung durch ein Spielchen Tarock oder eins anderen Spiels des Glücks?" fragt Wickham den Kapitän, während der junge Matrose den Tisch abdeckt. "Nein, mir steht der Kopf nicht danach mein Glück zu versuchen. Weder im Spiel noch in der Seefahrt! Man kann eine solch verantwortungsvolle Position nicht innehaben, wenn man einen unsteten Charakter hat." sagt Kapitän Clifford uninteressiert. "Aber vielleicht mögen meine Untergebenen ihre Heuer für die Fahrt einem Stoß Karten anvertrauen. Ich empfehle Euch, in der Offiziersmesse den Vorschlag zu wiederholen und bin sicher, Ihr werdet dort erfolgreich sein."

Nachdem die Tafel aufgehoben ist, verabschiedet der Kapitän Wickham und seine Begleiterin und wünscht Ihnen eine gute erste Nacht auf See. Wickham geleitet die junge Dame zur Gemeinschaftskabine. Während sie über Deck gehen hört man etwas Musik, die mit dem Knarren der Taue der Takelung in Kontrast steht. Es ist mittlerweile bereits dunkel an Deck und es hängen nur wenige Lampen, um sich zu orientieren. An der Türe zur Gemeinschaftskabine verabschiedet sich Wickham formell von seiner Begleiterin und macht sich auf den Weg zur Offiziersmesse. Aus dem Augenwinkel bemerkt er Thomas' vertraute Gestalt und, wie er genauer hinschaut, die katholische Nonne, beide ins Gespräch vertieft. 'Nun, Thomas ist schon immer religiöser als ich gewesen. Hoffen wir nur, daß er es an Bord nicht übertreibt.', denkt Wickham, als er die Offiziersmesse betritt: "Einen schönen Abend, Ihr Herren, sagt, hat jemand Interesse an einem Spiel des Glücks?"...

Verfasst: Sa Feb 08, 2003 17:05
von Daniel
Als Thomas den Aufenthaltsraum der Offiziere betritt, fällt ihm zuerst auf, daß auch Isaak Swine, der Rudergänger, anwesend ist. Thomas wählt den Platz, der am weitesten von ihm entfernt ist und bemerkt, daß der Gestank ein wenig abgenommen hat. Zu Thomas Überraschung wird nicht nur Salzfleich zum Essen gereicht, sondern der Smutje hat sich alle Mühe gegeben frischen köstlichen Fisch zuzubereiten. Beim ersten Bissen bemerkt Thomas, daß die Mühe vergebens war und der Fisch mehr nach einem über offener Flamme gegrilltem Steak schmeckt, denn nach Fisch. Zwar werfen sich die Offiziere den einen oder anderen Blick obgleich des seltsamen Geschmacks zu, aber mit der entsprechenden Portion Portwein gewöhnen sich die Offiziere und Thomas auch daran.

Irgendwie scheinen die Offiziere jedoch noch zu kaputt zu sein von der Arbeit des ersten Tages, denn die Gespräche gehen nur stockend und zäh voran.
"Thomas McMillan... mein Name ist Cort. Cort McGunn."Als sich der Steuermann vorbeugt um Thomas die Hand zu reichen rutscht sein an einem Lederband hängendes Kruzifix hervor."Und da wir beide Schotten sind, werden wir diesen Engländern mal zeigen was ein starker Schotte verträgt!" McGunn steh auf und holt eine Flasche Rum und Gläser und giest allen ein. Und trotz mehrerer kleiner Trinkspielchen will die Stimmung nicht steigen. Der Smutje stachelt die anderen zu immer mutigeren Schlücken von dem scharfen Gesöff an, und verspottet die die dankend ablehnen. Nur Quinn hält bis zuletzt durch und gibt sich recht unberührt von seinem Pegel.

Auf die Fragen von Thomas geht nur McGunn ein, wobei dieser besonders von Sid Barnett dem Bootsmann böse Blicke von unten herauf erntet. "Die Matrosen unsere Mannschaft wechseln von Zeit zu Zeit, aber wir hier sind wohl schon eine gute Zeit zusammen auf diesem Schiff. Warum auch nicht? Wir haben einen guten und gerechten Kapitän, haben immer Arbeit, müssen keinen Hunger leiden und sehen fremde Länder und Weiber." Ein Gelächter geht kurz durch die Runde, verstummt aber schnell wieder. "Ich selbst bin schon bestimmt zehn Jahre auf der 'Good Hope', und so bin ich in der ehrenwerten Position des Steuermanns und trage die Verantwortung für die Kanonen und die Ausbildung der Crew zum rechten Umgang damit. Zum Glück haben wir die Kanonen noch nie benötigt, aber bei den vielen Piraten in der karibischen See, und was sonst noch in den Tiefen der Meere lauern mag, weiß man nie und ist besser gewappnet."

Da die meisten Offiziere das Gespräch mit Thomas sichtlich meiden, geht Thomas an Deck und schnappt ein wenig frische Luft (wo das Gespräch mit der Nonne stattfindet).

Geoffrey Wickham betritt den Raum: "Einen schönen Abend, Ihr Herren, sagt, hat jemand Interesse an einem Spiel des Glücks?"

Da ein Teil der Crew noch nicht mit den Tarockregeln bekannt ist, erklärt Master Wickham ausführlich die Spielregeln, da er sich sicher ist, daß dies nicht das letzte Spielchen an Bord sein wird.

Beim Spiel entpuppt sich dann McGunn als eher zurückhaltend, aber nicht unfreundlich. Auch Swain ist verschlossen und wortkarg. Barnett hingegen hält immer zu den Männern seiner Crew und stellt sich immer gegen Master Wickham. Quinn bricht das Spiel vorzeitig ab, um sich in ein Eck zu verziehen und ausschließlich mit seiner Rumpulle beschäftigen zu können.

Verfasst: Sa Feb 08, 2003 18:28
von Daniel
Zwar wurden die Passagiere bisher von der Übelkeit, die einen auf hoher See leicht ereilen kann verschont, aber die Nacht ist für viele nicht sonderlich erhlosam, da das Schaukeln und Hüpfen des Schiffs für alle sehr ungewohnt ist. So unternimmt Schwester Ilsegart Nachts mehrere Spaziergänge an Deck...

Am Morgen erschrecken sich die Reisenden beinahe zu Tode, als eine Woge von Salzwasser durch das offene Fenster dringt und einen Teil der Kojen unter Wasser setzt. Auch die Tür zu Wickhams Zimmer steht offen und der kalte Wind weckt ihn und seinen Man-Servant unsanft...

Verfasst: Sa Feb 08, 2003 18:36
von Dor Kalach
Nach dem Gespräch mit der Nonne zieht sich Thomas in die 'Kajüte' seines Herrn zurück, um zum einen seine Ruhe zu haben, zum Anderen die Nachtwäsche für seinen Herrn vorzubereiten. Auch das Kästchen stellt er bereit, sollte sein Herr danach verlangen.

Anschliessend beginnt er in seinem Notitzbuch Eintragungen zu machen, denn alles was Thomas beschäftigt pflegt er säuberlich aufzuzeichnen.

Am späten Abend betritt Wickham die Kajüte.
Thomas blickt auf und Erleichterung durchhuscht sein Gesicht.
"Wehrter Herr, hattet Ihr einen schönen Abend? Konnten Euch die Herren Offiziere wenigstens ein bisschen erleichtern?" Ein Zwinkern im Augenwinkel unterstützt die angedeutete Stichelei. Aber Wickham sagt nicht mehr viel und geht ziemlich schnell zu Bett.

Als am nächsten Morgen beide durch hereinströhmendes Wasser geweckt werden, ist Thomas, der näher der Türe lag, klatschnass und schrickt auf. Sein Herr ist wenig begeistert, so unsanft geweckt zu werden und macht seinem Unmut Luft; leider auf den armen Thomas, der erschrocken die Tür schliesst.

Beim Ankleiden fällt Thomas' eine Statue in die Hand.
"Oh, seht, Master Wickham, ich habe doch in der ganzen Aufregung und vor lauter Herbeischaffen von Leichentüchern und Salbölen etwas ganz vergessen. Ich hatte gestern einen Kunstgegenstand, den der unglückliche Schotte mit sich führte, zwecks besserer Bestimmung der Herkunft des Toten zur Seite gelegt. Ich dachte mir, Eure hochentwickelter Kunstverstand erlaubt Euch eher als sonst jemandem an Bord daraus Schlüsse auf die Herkunft des Toten zu ziehen. Nun ist leider aber der Zeitpunkt dies als weiteres Indiz den Constablern zu melden vorbei. Da wir nun auf hoher See sind: was sollen wir damit nun tun, Master Geoffrey?. Ich schätze der Kapitän würde die gute Absicht nur wieder falsch verstehen..."

Wickham greift nach der Statue und untersucht sie genauer. Ein Leuchten in seinen Augen lässt Thomas vermuten, dass er etwas entdeckt hat.

Verfasst: Sa Feb 08, 2003 19:42
von Lhankor Mhy
Wickham ist von dem Spielabend mit den Offizieren sichtlich gerädert. Die Ausdünstungen dieser Männer haben ihm etwas zugesetzt - insbesondere von dem Rudergänger Swain, die zwar deutlich nachgelassen haben, jedoch deswegen noch lange nicht erträglich genannt werden können. Harte Spieler auch aus deutlich niederen Ständen gewohnt, nimmt Wickham den Abend jedoch sportlich. 'Wenigstens ist es ein Mindestmaß an ziviler Abendgestaltung, wenn man von notwendigerweise reduzierten Erwartungen hier auf See ausgeht.', denk sich Wickham wie er über Deck zu Tür der Gemeinschaftskabine geht und dabei noch etwas seine Lungen mit frische, sogar merklich kühler Seeluft füllt. 'Ein Abend ohne Spiel ist ein verschwendeter Abend. So wollen wir hoffen, daß sich die Mitspieler mit der Zeit etwas entspannen lernen und der Kapitän weniger auf seiner - ja nur an Bord wichtigen, also nur temporären - Stellung herumreitet. '

Als Wickham seine Kajüte betritt, erwartet Thomas ihn bereits mit dem Nachtzeug. Dankbar läßt sich Wickham aus seiner Abendgarderobe helfen, wobei er jedoch für die scherzhaften Bemerkungen von Thomas gerade keinen Sinn hat. 'Muß ich wissen, was Thomas mit der Nonne zu besprechen hatte? Ich glaube nicht. Wenn es wichtig wäre, so wüßte ich es bereits jetzt - und alles andere kann bis morgen warten.' denkt sich Wickham beim Zusammenbinden seiner langen Haare und dem vorsichtigen Trimmen des Bartes. Ohne viele Worte setzt er sich nur kurz, um sein Reisetagebuch aufzuschließen, ein paar Zeilen hineinzukritzeln zu denen, die er bereits unter Tags eingefügt hatte, und es dann mit der metallenen Schließe wieder zu verschließen. Den Schlüssel hängt er sich an demselben Band um den Hals, an dem auch schon der Schlüssel für das Kästchen hängt. Mit einem langen Blick überlegt Wickham, ob er das Kästchen jetzt öffnen solle oder nicht. Irgendwie ist ihm aber nicht so wohl, als daß er sich dem Inhalt des Kästchens jetzt mit der nötigen Aufmerksamkeit widmen könnte. So bittet er Thomas, das Kästchen für die Nacht wieder gut zu verstauen und legt sich zu Bette.


Unsanft endet eine Nacht voll schlechter Träume. Er träumt davon, daß der Kapitän an Bord und alle seine Matrosen sich als irische Rebellen entpuppen, die die Passagiere aus reiner Blutlust abschlachten wollen. Alle, bis auf den Medicus, der Arm in Arm mit dem Kapitän grinsend da steht und immer wieder ruft "Ich hab's Euch gesagt! Ich hab's Euch gesagt!".

In seinem Traum läuft Wickham in die Gemeinschaftskabine in der der verstorbene Schotte, ganz so wie Wickham ihn das erste Mal sah, auf dem Bett sitzt und Wickham mit Gesten zu sich bittet. Wickham tritt mehrere Schritte auf den Schotten zu, bis er direkt vor ihm steht. Irgendwie wirkt jener weniger bleich als früher, sondern mehr von dunklerem Teint. Es sieht so aus, als ob der Schotte Wickham etwas zuflüstern will. Wickham beugt sich vor und sieht den Schotten an, wie sein Mund sich öffnet - so weit öffnet, wie es nicht normal sein kann - der Mund ist eine riesige Schwärze, die Wickhams ganzes Blickfeld ausfüllt - alles um ihn herum ist schwarz, da berührt ihn etwas eisig Kaltes und Feuchtes im Gesicht. Wickham wacht auf, als sich ein völlig durchnäßter Thomas bemüht, ihn zu wecken.

Wickhams Herz pocht wie wild und er schimpft erst einmal Thomas aus, der pudelnaß dasteht und wohl nicht mit Zurechtweisung gerechnet hatte.

Nach einer Weile ist die Kajüte wieder einigermaßen trocken und auch Thomas ist wieder eingekleidet, daß er Wickham beim Ankleiden helfen kann.

Im Ankleiden präsentiert Thomas Wickham eine kleine dunkle Statuette, die, wie er sagt, von dem verstorbenen Schotten stammt und möglicherweise dessen Herkunft zu erhellen dienlich sein könnte. Nun ist Wickham, von der Neugier gepackt, hellwach und bei der Sache: "Dann zeig sie mal her, Thomas. Vielleicht habe ich ja noch genug von den Lehren des guten Master Musgrove behalten, daß ich genug Urteilskraft besitze, diesen Fund und seinen Besitzer einzuschätzen."

Wickham nimmt die Statuette entgegen und untersucht sie mit Blicken, riecht daran und klopft sie vorsichtig ab. "Hmm," sagt er und konzentriert sich auf die Details, "sie ist aus dunkelem Holz, mäßige bis schlechte Handwerkskunst und sicherlich nicht aus England oder vom Kontinent. Sehr billig gemacht - nicht mal einen Farthing wert. Mal sehen, was sie eigentlich darstellen soll." Wickham hält sie eine Armeslänge entfernt von sich und schaut die Statuette im Gesamtbild an. "Guter Gott, sie hat einen riesigen Kopf - und einen noch größeren Mund!" entfährt es ihm. 'Wieso beunruhigt mich das so?' denkt er.

Thomas schaut ihn so erwartungsvoll an, daß er sich etwas zusammenreißt. "Also, Thomas", sagt Wickham etwas betrübt, "diese Statuette ist, so glaube ich, wenig hilfreich. Möglicherweise handelt es sich bloß um ein Andenken oder ähnliches. Die ganze Machart ist billig und schlecht. Warum der arme Mann solch ein Schnitzwerk mit sich führte, ist nicht einfach ersichtlich. Alles was man sagen kann, ist, daß es sogar noch primitiver gemacht ist, als das, angeblich keltische, krude Zeug, dessen sich die Iren immer selbst rühmen. In Schottland ist man da schon lange darüber hinausgewachsen, nicht wahr Thomas?"

Wickham stellt die Statuette behutsam auf einer Reisetruhe ab. Er überlegt eine ganze Weile, still vor der Statuette hockend. Dann setzt er sich abrupt auf: "Thomas, Du weißt welch Nervensäge der Medicus ist, nicht wahr? Doch so sehr ich hin und her überlege, mir will zu diesem Fund nicht mehr einfallen. Master Stratton ist zwar ein Dorn im Fleische der Englischen Nation, jedoch ausreichend mit Bildung angefüllt, daß ich den Versuch wagen möchte, ihn mit dieser Statuette zu konfrontieren. Wenn er dasselbe herausbringt wie ich, nun dann ist er auch nicht schlauer und mit seiner Bildung, mit der er ja immer gerne hausiert, ist es auch nicht viel weiter her, als mit meiner durch mangelndes Interesse bedauerlicherweise nicht so Umfassenden."

"Thomas, geh' und bitte Master Stratton um eine private Unterredung! Aber sage ihm ja nicht um was es dabei gehen soll! - Ich will die Statue in dieser Reisetruhe dort verbergen und ihn zuerst zu seinen sonstigen Erkenntnissen über den unglücklichen Toten befragen. Je nachdem, was er mir darauf erwidert, will ich ihm die Statuette zeigen. Dies aber nicht ohne ihm das Versprechen abgenommen zu haben, nichts davon der Mannschaft oder auch dem Kapitän mitzuteilen, auf daß die Stimmung der Seeleute zu uns Fahrgästen nicht weiters getrübt werde. Hast Du mich verstanden?"

Thomas nickt und macht sich daran den Medicus zu holen...

Verfasst: So Feb 09, 2003 0:51
von The Dodger
Nachdem Gareth einige Zeit gespielt hat, fällt ihm Schwester Ilsegart auf, die ebenfalls auf Deck ist, und in eigene Gedanken vertieft auf das Meer blickt. Etwas später kommt Thomas vorbei und die beiden beginnen ein Gespräch, das einige Zeit andauert. Was die beiden wohl zu bereden haben? Nunja, wahrscheinlich werden es irgendwelche katholischen Belange sein. denk Gareth bei sich. Er spielt noch einige Zeit, in der auch irgendwann Wickham auf dem Weg zur Offizierskabine über Deck wandert, um anschließend noch einige Zeit nachdenklich ins Meer zu starren. Als er sich schließlich in die Gemeinschaftskabine begibt, schlafen Schwester Ilsegart und die seltsame junge Dame namens Rose Roberts bereits, Wickham und Thomas haben sich auch schon in ihre Kabine begeben. Als er sich hinlegt, gleitet Gareth sofort in einen unruhigen Schlaf, in dem ihn immer wieder das Gesicht des Pockennarbigen mit den leeren Augen und die Narbe auf seiner Brust heimsuchen.

So unruhig, wie er geschlafen hat, so unsanft weckt ihn am morgen das Salzwasser, das in seine Koje schwappt. Danket dem Herrn, ein neuer wundervoller Tag ist angebrochen! murmelt er sarkastisch vor sich hin. Die beiden Frauen scheinen über diese Art des Weckens auch nicht sonderlich begeistert, wobei Schwester Ilsegart vollständig durchnässt ist, während Rose Roberts ziemlich gut davongekommen zu sein scheint.
“Guten Morgen die Damen. Ich hoffe, sie haben besser geschlafen, als ich. Und ich hoffe, dass wir nicht jeden Morgen auf diese Weise geweckt werden.“
Die drei tauschen noch ein paar Belanglosigkeiten aus, dann kleidet Gareth sich an, nimmt seine nassen Sachen mit, um sie irgendwo aufzuhängen und begibt sich an Deck. Kaum hat er seine Sachen untergebracht, als Thomas an ihn herantritt, um ihm die Bitte seiner Herrn nach einer Unterredung zu überbringen.
Es muss schon was Wichtiges sein, wenn Wickham sich dazu herablässt. mich um eine Unterredung zu bitten. Und dazu noch diese Geheimniskrämerei gegenüber der Mannschaft. Aber bitte, ich will sehen, was die Arroganz in Person zu sagen hat. Aber nicht so schnell, als dass es den Anschein hat, ich würde angekrochen kommen. denkt sich Gareth, während er Thomas laut antwortet:
Wie könnte ich Eurem Herrn diese Bitte abschlagen, Master Thomas. Richtet ihm aus, dass ich ihn diesbezüglich vor dem heutigen Abendessen aufsuchen werde, wenn es recht ist. Ich gebe Euch mein Wort darauf, dass ich niemandem davon erzählen werde. Und nun entschuldigt mich bitte, mein Magen verlangt nach einem Frühstück.
Mit diesen Worten lässt er Thomas einfach stehen und macht sich auf den Weg zur Kombüse, um besagtes Frühstück zu organisieren.

Verfasst: So Feb 09, 2003 11:08
von Daniel
Ernie Gutts der Smutje bringt es fertig, schon am frühen Morgen heftigste Flüche auszustoßen, als Master Stratton ihn aufsucht. Nicht einmal der gestrige Spielabend, an welchem er der große Gewinner war scheint den Schiffskoch auch nur im geringsten fröhlicher zu stimmen.

"Landratten... Frühstück wird um 8am in den Offizierskabinen gereicht! Verdammt. Ich kann auch nicht schneller kochen als es dieser Graus von einer Küche zuläßt! Aber bitte sehr... Extrawürste bin ich gewohnt..."
Gutts reicht Stratton einen undefinierbaren Brei auf einem Teller. Mit sehr gutem Willen kann man darin unter anderem Früchte und Zwieback ausmachen. Auch Milch ist noch vorhanden und wird mit Wasser verdünnt in einem Glas gereicht.

Währenddessen schließt Rose das Fenster in der Kajüte, und verriegelt es sorgfältig. "Wer ist so verstört, und öffnet mitten in der Nacht das Fenster?" empört sie sich, während die Nonne Starattons Abwesenheit zu einem Kleiderwechsel nutzt.

Etwas schockiert von der barschen Art des Smutjes kehrt Stratton zu den anderen Passagieren mit und teilt ihnen die Frühstücksordnung mit.
"Nehmt euch in Acht... Mit dem Mann ist nicht gut Zwieback essen..." spricht Stratton, als er im Stehen den ersten Löffel seines Tellers probiert.

Verfasst: So Feb 09, 2003 11:25
von Dor Kalach
Thomas macht sich auf in Richtung Kombüse, da sein Herr beschlossen hat, in seiner Kajüte zu frühstücken.


Als er den Crew-Aufenthaltsraum betritt findet er Swine in einer Ecke liegen. Er hat wohl gestern etwas zuviel Rum abgekriegt vermutet Thomas, und nutzt die Gunst der Stunde, den Herren Swine etwas näher in Augenschein zu nehmen. Nach einigen Minuten scheint dieser zu erwachen. Thomas reagiert geistesgegenwärtig und fasst ihm an die Schulter "Wehrter Herr, geht es Eucht gut, seid Ihr wohlauf? Ihr machtet so einen abwesenden Eindruck."
Swine erwacht und beduetet Thomas mißmutig und kurz, dass es ihm gutgehe. Den Kater sieht man ihm allerdings an.

Thomas wendet sich mit verabschiedenden Worten der Kombüse zu ind betritt diese mit den Worten:
"Einen gesegneten guten Morgen, wehrter Freund. Nach jenem trefflichen Mahl gestern abend war es mir ein Bedürfnis, Euch aufzusuchen und Euch ein Lob auszusprechen. Ich hoffe Ihr verköstigt uns die nächsten Tage ebenso vortrefflich."
Gutts bleiben erstaunt die Flüche ob der Störung im Halse stecken. Damit hatte er nun wirklich nicht gerechnet. Gab es an Bord dieses verdammten Seelenverkäufers tatsächlich jemanden, der seine Kochkünste zu schätzen wusste und merkte, dass er alles ihm mögliche aus diesem Loch von Küche herausholte?

"Doch leider komme ich nicht ganz uneigennütz," fährt Thomas fort, "mein Herr, der gute Master Wickham fühlt sich heute morgen etwas unpässlich und wünscht, sein Frühstück in seiner Kajüte einzunehmen. Währt ihr so freundlich und würdet mir sein Frühstück herrichten? Seid dafür vielmals bedankt."

Smutje Gutts ist immer noch zu perplex um fluchend aufzufahren, macht jedoch ein miesepetriges Gesicht und richtet einen Teller Brei her, legt noch einen Zwieback dazu und streckt den Teller Thomas wortlos entgegen.

"Habt Dank, wehrter Herr" verabschiedet sich Thomas und geht zurück, um Wickham sein Frühstück zu bringen.

Verfasst: So Feb 09, 2003 19:09
von Tradain
Nachdem der Abend gut verlaufen ist freue ich mich auf die Nachtruhe. Endlich kann ich beruhigt schlafen. Wickham scheint die Geschichte vom verarmten Landadel geschluckt zu haben......Männer, ein bezauberndes Lächeln hier, ein hilfesuchender Arm da, ein Augenaufschlag zur richtigen Zeit.....dann glauben sie fast alles. Nur gut, daß ich mir viele der Umgangsformen meiner Herrschaften angeeignet hatte, als noch Zeit war.
Tewkesbury...nun diesen Ort gibt es, doch ich bezweifle daß es dort einen Master Roberts gibt. Die Lumpensammler erzählten oftmals einige Geschichten ihrer Wanderschaft, darunter war auch ein Bericht dieses Ortes gewesen. Ein Ort mit vielen Schafherden und einer Einwohnerschaft, nur wenig scharfsinniger als ihre Haustiere. Nie im Leben war oder würde Wickham sich dort hinverirrt haben. Mein Glück. Den Rest der Geschichte kann ich wohl hinter dem schüchternen Blick meiner grauen Augen verbergen.
Als ich aus meinem erholsamen Schlaf erwache bemerke ich das Waser, daß sich am Boden der Kajüte ausgebreitet hat. Meine Decken und mein Gewand sind nur leicht feucht geworden. Die arme Schwester nun versucht ihre weniger glückliche Lage tapfer zu ertragen. Ich schließe das Fenster und schaue mich um, wer es wohl unüberdachter Weise geöffbet haben mag.
Ich frage mich wer gestern Abend so schön musiziert hat, vielleicht würde derjenige dies wiederholen...
Ein ganz und gar undamenhaftes Knurren macht mich auf meinen Appetit aufmerksam.
Schwester Ilsegart, möchtet Ihr mich zum Frühstück begleiten?
Noch etwas zerknittert, doch trotz des feuchten Erwachens heitere Ordensfrau nickt und lächelt nur.
Die Schwester und ich verlassen die Kabine auf der Suche nach dem Schiffskoch.

Verfasst: So Feb 09, 2003 19:27
von Lhankor Mhy
Das Frühstück macht Wickham keinen Spaß. Sein Porridge hätte ihm wohl kaum besser gemundet, selbst wenn er nicht derart schlecht geschlafen hätte. 'Bei so einem Tagesbeginn, sollte man besser das Bett nicht verlassen' , denkt er sich, während er nur soviel von dem grauen, langweiligen Brei in sich hineinlöffelt, daß sein Magen zumindest soweit zufriedengestellt ist, daß er nicht mehr ganz so lautstark knurrt.

Er reicht den Teller nach kurzer Zeit an Thomas zurück, der etwas besorgt schaut. "Wollt Ihr wirklich mit so wenig im Magen den Tag beginnen, Master Geoffrey?" erkundigt er sich besorgt. Wickham seufzt "Ach, Thomas! Die letzte Nacht hat mich etwas meines Elans beraubt. Vielleicht gibt es sich heute im Verlaufe des Tages wieder, doch im Augenblick ist mir weder nach viel Gesellschaft, noch nach dieser grauen, matschigen Entschuldigung für mangelhafte Fähigkeit bei der Nahrungszubereitung, die der hiesige Koch heute morgen ausgeteilt haben mag." Thomas schaut auf den noch dreiviertel vollen Teller und sieht Wickham fragend an. Der nickt ihm zu und Thomas greift sich aus seinen Reiseutensilien den Salzbeutel und rührt eine kräftige Prise Salz in das Porridge, worauf er es genußvoll verspeist. Wickham hat diese Sitte, die Thomas wohl aus seiner schottischen Heimat mitgebracht hat, nie begreifen können - gesalzenes Porridge, da könnte ihm gleich flau werden, egal ob auf See oder an Land.

Thomas verläßt Wickham mit dem leeren Teller und macht ganz den Eindruck, als ob er sich nun sein eigenes Frühstück holen wolle.

Wickham kämmt sich die Strähnen der Nacht aus den Haaren und denkt 'Dieser impertinente Medicus! Da ist er einmal zu etwas nutze - nein, VIELLEICHT zu etwas nutze - da ziert er sich wie eine Debütantin vor ihrem ersten Tanz. Wer weiß, ob er überhaupt etwas herausgebracht hätte.'

Wickham nimmt den Schlüssel zu seinem Reisetagebuch, schließt die Schließe auf und richtet seine Schreibutensilien her. Dann holt er behutsam die kleine dunkele Statuette aus ihrem Versteck und beginnt sie in seinem Tagebuch abzuzeichnen. Von der groben Form zu den feinen Details, so will er verfahren, doch - mit der groben Darstellung soweit zufrieden - gelingt es ihm nicht, sich einen Eindruck von den Details der häßlichen, kruden Figur zu machen, der sich für eine bildliche Darstellung eignen könnte. Wickham sitzt eine gute Weile da und schaut aus allen Winkeln und versucht ein paar Striche auf das Papier zu bringen, doch irgendwie will es ihm nicht recht gelingen.

Nach einer Weile hat er es satt, sich vergebens mit einer guten Darstellung abzugeben und er läßt die Zeichnung, so ungenau sie gerade ist, für sich im Tagebuch stehen. In Deutsch ergänzt er ein paar Bemerkungen, woher diese Figur stammt und was sein Eindruck war, als er sie das erste Mal sah. Auch seinen Traum schildert er (diesmal wieder auf Englisch). Es kommt ihm durchaus seltsam vor, daß, bevor er noch von der Figur überhaupt Kenntnis hatte, er eine verwandt wirkende Szene träumen konnte.

Sorgsam verschließt er das Tagebuch wieder und verstaut es in dem passenden Wachsbehälter, um es vor der Feuchtigkeit zu schützen. Er verstaut es außer Sicht und auch die kleine dunkele Figur steckt er an einen verborgenen Platz in einer seiner Reisekisten. Wie er sich gerade wieder auf die Koje setzen will, fällt sein Blick auf eines der Bücher, die er mitgebracht hat, um ihm während der Reise etwas zur Unterhaltung zu dienen. Er nimmt es zur Hand und blättert es - etwas ungeduldig - nach Beschreibungen zur Kultur der Westindischen Inseln durch. 'So rächt sich, daß ich bei Master Musgrove's Lektionen nicht aufmerksam genug war. Aber, Geschichte ist ja auch so langweilig und geht ja sowieso nur um bereits verstorbene Leute und alte Probleme. - Nun gut, so will ich mal sehen, ob der gute 2. Earl of Chatham vielleicht etwas Licht in mein Dunkel bringen kann, oder ob ich vor einer Erleuchtung einnicken werde'

Wickham vertieft sich in das Buch...

Verfasst: Di Feb 11, 2003 20:00
von Vera
Schwester Ilsegart erwacht. Naß vom Kopf bis zum Fuß. Fast wäre ihr ein Fluch über die Lippen gefahren, doch sie besinnt sich gerade noch ihres Amtes.

"Wer zum..." Schwester Ilsegart räuspert sich und errötet ein wenig "wer hat dieses Fenster mitten in der Nacht geöffnet?"

Naß wie sie ist steigt sie aus dem Bett. Auch der Medicus und die junge Dame scheinen der nassen Unannehmlichkeit ausgesetzt worden zu sein. Nachdem der Medicus den beiden Damen einen guten Morgen gewünscht hat legt er ohne Scham die Kleider vor den Augen der beiden Frauen ab. Schwester Ilsegart schafft es gerade noch sich umzudrehen und den Rosenkranz zu greifen um sogleich um Vergebung zu bitten.
Nach einigen Momenten die Schwester Ilsegart wie eine Ewigkeit vorkommen, murmelt der Medicus etwas von Frühstück und verläßt das Zimmer.

Auch Thomas kommt an diesen Morgen durch die Gemeinschaftskabine. "Ob er sich wohl immer noch angegriffen fühlt? Ich werde ihn im Laufe des Tages noch ein zweites Mal zur Rede stellen."

"Miss, sollten wir beide nicht die Zeit nutzen in der keine Männer durch diese Kabine gehen und uns etwas trockenes anziehen?"

Ein hübsches Lächeln huscht über das Gesicht des Mädchens. Beide Frauen ziehen sich um und verlassen die Kabine um im Speisezimmer Platz zu nehmen.

Verfasst: Di Feb 11, 2003 21:23
von The Dodger
Grauenvoll! ist das erste, was Gareth in den Sinn kommt, als er einen Löffel seinen Porridges probiert. Zwar legt Gareth keinen Wert auf Luxus, aber ein gutes Essen hat er immer zu schätzen gewusst. Und Porridge gehört schon dann nicht zu seinen bevorzugten Speisen, wenn es gut gemacht ist. Nun ja, du wirst dich damit abfinden müssen, die Auswahl an Bord ist doch sehr beschränkt, und entweder du isst das, oder gar nichts. sagt er trübselig zu sich selbst. Gareth beschließt, sich das Essen wenigstens dadurch zu versüßen, dass er es draußen im Sonnenschein zu sich nimmt, und begibt sich wieder zu dem Seilstapel, auf dem er am gestrigen Abend so lange Geige gespielt hat.

Nachdem er endlich aufgegessen hat – es kommt ihm wie eine Ewigkeit vor, und die Portion scheint einfach nicht kleiner zu werden; beinahe hätte er einen der Matrosen nach dessen Rumpulle gefragt, um den Geschmack des Porridges wegzuspülen – und dem mürrischen Smutje den Teller zurückgebracht hat, kehrt er in die leere Gemeinschaftskabine zurück. Nachdem er die Tür hinter sich geschlossen hat, um ein wenig Ruhe zu gewährleisten, legt er sich in seine Koje und schreibt einige Notizen in sein als Tagebuch missbrauchtes Notizbuch. Als er damit fertig ist, beginnt er über das bevorstehende Gespräch mit Wickham zu grübeln.

Was könnte dieser aufgeblasene Windbeutel von mir wollen? Es wird wohl kaum ein wenig Konversation abhalten wollen, nicht mit mir, nicht nach allem, was bisher passiert ist. Will er sich bei mir entschuldigen? Äußerst unwahrscheinlich, daran hindern ihn sein „Stolz“ und seine altmodische Weltanschauung. Will er eine Entschuldigung von mir? Darauf kann er lange warten. Was könnte es also sein, dass er ausgerechnet mich um eine Unterredung bittet, die Person an Bord, die er wohl als erste in Ketten legen lassen würde, hätte er einen Grund und eine Gelegenheit? Er will irgendetwas von mir wissen, so viel steht wohl fest. Nur was? Ob ich etwas über den toten Schotten weiß? Oder über den Pockennarbigen? Oder hat er ein medizinisches Problem? Nein, damit würde er wohl zur Schwester gehen, er hat mir ja nur allzu deutlich gesagt, was er von meiner Kunst hält. Aber was weiß er schon, der Narr! Wie auch immer, ich werde nicht herausfinden, was er von mir will, bevor ich ihn nicht gefragt habe. Doch das wird noch warten müssen.

Für eine Weile vertieft sich Gareth in eines seiner Bücher, doch es gelingt ihm nicht, sich wirklich darauf zu konzentrieren, da ihm immer wieder etwas anderes in den Sinn kommt. So beschäftigt ihn unter anderem die Frage, wer das Fenster geöffnet haben könnte. Er ist sich sicher, dass es geschlossen war, als er nachts als letzter in die Kabine gekommen ist. Hatte er dermaßen fest geschlafen, dass er nicht gehört hatte, wie jemand in die Kabine gekommen ist, das Fenster geöffnet hat und dann wieder gegangen ist? Und warum sollte das jemand tun? Und wenn jemand im Zimmer war, hatte es sich damit begnügt, das Fenster zu öffnen? Er ist so beunruhigt, dass er sofort seine Taschen durchsieht, ob auch noch alles da ist, doch zu seiner Erleichterung fehlt nichts. Gareth schiebt die beiden Taschen wieder unter seine Koje und begibt sich erneut an Deck, um nach den anderen Passagieren zu sehen.