Sage hat geschrieben:Worüber ich aber diskutieren würde, ist die Frage, ob Deadlands:Lost Colony "echte" SF ist...
Raumschiffe, Raumstationen, naniten-gebietende Transmutatoren, Psionik, fortgeschrittenste Biotechnologie, etc. - Was läßt Dich daran zweifeln, daß Deadlands:Lost Colony keine "echte" Science Fiction ist?
Was ist denn für Dich "echte" Science Fiction?
Sage hat geschrieben:SF ist offenbar, was gefällt...
Science Fiction ist ein Genre. - Genauer: ein ÜBER-Genre, welches eine riesige Menge an Sub-Genres umfaßt.
So ist die Fernseh-Serie Quantum Leap als Sci-Fi-Serie eingestuft. So ist CSI definitiv eine near-future Sci-Fi-Serie.
Science Fiction ist nicht erst gegeben, wenn man mit Raumschiffen durchs Weltall heizt.
Alle Cyberpunk-Rollenspiele gehören zum Sci-Fi-Subgenre Cyberpunk.
Die allermeisten Endzeit-Rollenspiele gehören zum Sci-Fi-Endzeit Subgenre bzw. je nach Gewichtung auch zum Science Fantasy Subgenre.
Star Wars ist eigentlich ein Märchen - zumindest der wahre (tm) erste Teil. Ansonsten handelt es sich um Fantasy im Sci-Fi-Gewand.
Firefly ist Western im - sogar recht fadenscheinigen - Sci-Fi-Gewand.
Necessary Evil handelt von Superschurken in einem Sci-Fi-Setting mit Aliens, Raumschiffen, etc.
Necropolis ist Weird Wars auf einer Koloniewelt der Menschheit im Jahre 2350, mit Grav Panzern, Railguns, Lasergewehren, Battledress, etc.
Dagegen ist Dying Earth, obschon auf der zukünftigen Erde spielend, ein reines Fantasy-Setting.
Ich weiß nicht, was Du Dir unter Science Fiction vorstellst, aber Science Fiction ist älter als die Romane von Jules Verne. Ist bunter als die Pulp-Adventures von Captain Future, Buck Rogers oder Flash Gordon. Ist deprimierender als Bladerunner (bzw. das Buch "Do Androids dream of electric sheep?"), als 1984 (ja, für mich war das zu Schulzeiten Science Fiction), als Stalker (der geniale Film um die "Zone").
Nicht erst mit Star Trek (TOS), mit Raumpatroullie (Raumschiff Orion), mit U.F.O., mit Mondbasis Alpha 1, mit Buck Rogers, mit Battlestar Galaktica, mit Star Wars gibt es Science Fiction.
Wer kennt noch die ausgezeichnete Fernsehserie "Das Blaue Palais"? Das war eine extrem interessante "Hard-Sci-Fi"-Serie, in der es um die Folgen von neuer Technologie auf die Gesellschaft ging. Hochspannend und sehr seriös und unspektakulär erzählt.
Aber auch Kamikaze 1989 ist Science Fiction.
Die "hard Sci-Fi"-Stoffe wie Hal Clements "Mission Gravity" sind in der Fülle der Science Fiction Literatur, der SF-Filme, SF-Comics, SF-Serien schon eher als Exoten zu sehen.
Der Begriff Science Fiction ist mindestens so schwer zu fassen, wie der Begriff Horror, Fantasy oder Western. - Das sind alles sehr grobe, zu grobe Kategorien, wenn man etwas ganz Konkretes damit meint.
Ich würde Alien (den ersten und einzig guten) eher als Horror-Film mit Sci-Fi-Versatzstücken einstufen. Babylon 5 ist hingegen Sci-Fi mit ab und an eingestreuten Horror-Versatzstücken. Firefly ist weit mehr Western als Science Fiction, aber doch AUCH Science Fiction. Star Wars ist eine 1:1-Mischung aus Fantasy und Science Fiction.
Und was bietet einem die Science Fiction Ausrichtung im Rollenspiel?
Ich habe mit Traveller damals Detektiv-Geschichten (Arcturus Station), Söldner-Kampfeinsätze (Broadsword), "Dungeon Crawls" in verlassenen, fremdartigen Raumschiffen oder Gebäuden (Annic Nova, Shadows), Monster-Plätten (The Chamax Plague), Western-Boomtowns (Koenigs Rock im Bowman Belt), Western-Cattlepunk (Tarsus), und natürlich Firefly (The Traveller Adventure) gespielt. - Doch hätte ich das nicht alles auch in den entsprechend passenden Epochen auf der Erde spielen können?
Doch, schon. Arcturus Station als Hard-Boiled-Detective-Geschichte in den 30er/40er Jahren. Söldner-Kampfeinsätze als eine "Die Wildgänse kommen"-Adaption für Weird Wars. Dungeon Crawls ganz im Indiana Jones Stil als Archäologie mit Revolver und Peitsche. Monster-Plätten als eine Form von Zombie-Splatter mit AFMBE. Western Boomtowns und Cattlepunk mit Deadlands oder Sidewinder:Recoiled. Firefly als angelehnt an "Haben und Nichthaben" in den 40ern.
Science Fiction gibt einem jedoch über die an sich stets recht normalen, irdischen Geschichten hinaus den "Sense of Wonder", das Entdecken von neuen, seltsamen, anderen, fremdartigen Dingen, Welten, Wesen. Dieses Entdecken, dieses Erkunden des Unbekannten, das ist es, was Sci-Fi vom irdisch-normalen, vom absehbaren Inhalt eines Szenarios abheben kann.
Rollenspiele, welche Versatzstücke aus dem großen Fundus, den der Begriff Science Fiction umfaßt, anbieten, gibt es daher sehr, sehr viele.
Ich sehe nicht, wie man hier eine belastbare, harte Kriteriensammlung aufstellen könnte, die zu entscheiden hilft, ob z.B. Engel Sci-Fi ist (es ist, und zwar GEWALTIG!), oder nicht.