Tage der Restauration - Systemrecycling
Verfasst: Fr Mär 14, 2008 10:21
1815 haben die europäischen Fürsten und Könige beschlossen, alles, was man als neue Umtriebe bezeichnen konnte, zu beenden, wieder auf die altbewährten Ideale zu setzen und das politische System erneut einzusetzen, das durch die Umtriebe eines kleinen französischen Kaisers und des dummen Volkes an sich ins Wanken geraten war.
Nicht ganz 200 Jahre später scheinen deutsche Rollenspielverlage genau die selbe Idee gehabt zu haben, ihre alten Systeme wieder zu erneuern. Die sind zwar nicht politisch und Frankreich hat nichts damit zu tun, aber das Volk staunt nicht schlecht, wenn die 80er+frühen 90er Jahre entstaubt, neu layoutet und auf den Markt zurückgebracht werden.
Was meine ich konkret? Traveller, Fading Suns, Earthdawn, Cyberpunk, Space Gothic, Warhammer, u.a. Spielsysteme mit klangvollem Namen der Vergangenheit werden uns seit bald einem Jahr präsentiert oder sollen spätestens Essen 08 rauskommen.
Gammelfleisch oder alter Wein???
Wenn man alte Ware neu etikettiert, aber den alten vergammelten Inhalt drin lässt, erzürnen sich die Verbraucher und brüllen Gammelfleisch. Auf der anderen Seite wird (guter und) alter Wein in regelmäßigen Abständen in eine neue Flasche gefüllt, die seinen Ansprüchen zu genügen. Jetzt stellt sich mir die Frage. Gammelfleisch oder Delikatesse. Das muss wohl jeder für sich entscheiden, wenn er einen neuen Blick auf neue Cover und alte Inhalte wirft.
NTARS?
Zeitlos gut, oder zumindest: Lass es so lange laufen, wie es läuft? Oder eben: Never toutch a running system. Alle oben genannten Publikationen blicken auf mindestens 2 Jahrzehnte zurück. Das muss nicht schlecht sein, das tun wir alle. Traveller benutzt noch immer die alten Regelmechanismen. Cyberpunk kommt in der Sec. Ed aus dem Jahre 1994 mit dem technischen Anspruch aus eben diesen Jahren zu uns. Vielleicht wurden im deutschen Band ja etwas an den Regeln für Mobiltelephone und Netzzugang gefeilt. Ich bin wirklich gespannt und freue mich auf das eine oder andere Lesevergnügen. Und auch Midgard benutzt seit Jahrzehnten das selbe System und die selbe Hintergrundwelt. Muss also nicht schlimm sein, wenn die 80er wiederkommen. Es könnten auch ein 80er-Mode-Revival sein.
Warum?
Warum eigentlich wird so tief in die Geschichte zurück gegriffen? Kann ich nicht sagen, habe ich nur Ideen. Offenbar lohnt es sich inzwischen wieder, neues zu produzieren. Genug gejammert, der Markt ist von den Anbietern her kleiner geworden und offenbar gibt es wieder Absatzmärkte. Da ist es einfachbilliger, altes Zeug aufzukaufen - meist existieren sogar die deutschen Texte - und neu zu vermarkten. Und das Produkt bringt von Haus aus einen gewissen Namen mit sich. Warum also das Risiko eingehen, irgend etwas gänzlich neues zu prodzieren. Außerdem scheinen die Spieler das zu wollen.
Eine andere These verrät uns - wie die obrige Analogie zum Wiener Kongress - die Geschichte, und zwar die aktuelle. Ende der 80er brach die DDR zusammen. Inzwischen schlägt über uns eine Welle der (N)Ostalgie zusammen, mit Verklärung der damaligen Verhältnisse. Damals war es halt arg schön, heute ist es das offenbar nicht. Also blickt auch der verträumte Spieler in die Vergangenheit und seufzt wohlig, wenn er sich 8-20 Jahre zurückversetzt fühlen darf, als Rollenspiel noch 100% Würfel hatte, Handies halb so viel wie ein Motorrad kosteten und SciFi noch ordentlich 80er war.
Zukunft
Der Jahrtausendwechsel war die Zeit der neuen Kleinverlage, wie mir scheint. Der Anbietermarkt hat sich nun sauber ausreguliert, die Branche hat sich halbwegs erholt und nun wird wieder gedruckt. Ich hoffe mal, dass sich die Verlage da nicht verkalkulieren. Begeisterte Spieler werden sich das Zeug holen, aber wer immer noch Traveller spielt, hat ohnehin alles auf Englisch. Am Ende liegen hunderte unverkaufter Neuauflagen alter Spiele in Verlagskellen und binden Kapital. Denn wenn ich mich richtig erinnere, fast alle oben genannten Systeme habe ich auf Grabbel- und Ramschtischen in Läden und auf Cons gefunden. Wenn die schon 2001 keiner haben wollte, will sie aber vielleicht 2008 endlich wieder jemand. Immerhin sind die Bilder zum größtel Teil jetzt nachkolloriert.
Nicht ganz 200 Jahre später scheinen deutsche Rollenspielverlage genau die selbe Idee gehabt zu haben, ihre alten Systeme wieder zu erneuern. Die sind zwar nicht politisch und Frankreich hat nichts damit zu tun, aber das Volk staunt nicht schlecht, wenn die 80er+frühen 90er Jahre entstaubt, neu layoutet und auf den Markt zurückgebracht werden.
Was meine ich konkret? Traveller, Fading Suns, Earthdawn, Cyberpunk, Space Gothic, Warhammer, u.a. Spielsysteme mit klangvollem Namen der Vergangenheit werden uns seit bald einem Jahr präsentiert oder sollen spätestens Essen 08 rauskommen.
Gammelfleisch oder alter Wein???
Wenn man alte Ware neu etikettiert, aber den alten vergammelten Inhalt drin lässt, erzürnen sich die Verbraucher und brüllen Gammelfleisch. Auf der anderen Seite wird (guter und) alter Wein in regelmäßigen Abständen in eine neue Flasche gefüllt, die seinen Ansprüchen zu genügen. Jetzt stellt sich mir die Frage. Gammelfleisch oder Delikatesse. Das muss wohl jeder für sich entscheiden, wenn er einen neuen Blick auf neue Cover und alte Inhalte wirft.
NTARS?
Zeitlos gut, oder zumindest: Lass es so lange laufen, wie es läuft? Oder eben: Never toutch a running system. Alle oben genannten Publikationen blicken auf mindestens 2 Jahrzehnte zurück. Das muss nicht schlecht sein, das tun wir alle. Traveller benutzt noch immer die alten Regelmechanismen. Cyberpunk kommt in der Sec. Ed aus dem Jahre 1994 mit dem technischen Anspruch aus eben diesen Jahren zu uns. Vielleicht wurden im deutschen Band ja etwas an den Regeln für Mobiltelephone und Netzzugang gefeilt. Ich bin wirklich gespannt und freue mich auf das eine oder andere Lesevergnügen. Und auch Midgard benutzt seit Jahrzehnten das selbe System und die selbe Hintergrundwelt. Muss also nicht schlimm sein, wenn die 80er wiederkommen. Es könnten auch ein 80er-Mode-Revival sein.
Warum?
Warum eigentlich wird so tief in die Geschichte zurück gegriffen? Kann ich nicht sagen, habe ich nur Ideen. Offenbar lohnt es sich inzwischen wieder, neues zu produzieren. Genug gejammert, der Markt ist von den Anbietern her kleiner geworden und offenbar gibt es wieder Absatzmärkte. Da ist es einfachbilliger, altes Zeug aufzukaufen - meist existieren sogar die deutschen Texte - und neu zu vermarkten. Und das Produkt bringt von Haus aus einen gewissen Namen mit sich. Warum also das Risiko eingehen, irgend etwas gänzlich neues zu prodzieren. Außerdem scheinen die Spieler das zu wollen.
Eine andere These verrät uns - wie die obrige Analogie zum Wiener Kongress - die Geschichte, und zwar die aktuelle. Ende der 80er brach die DDR zusammen. Inzwischen schlägt über uns eine Welle der (N)Ostalgie zusammen, mit Verklärung der damaligen Verhältnisse. Damals war es halt arg schön, heute ist es das offenbar nicht. Also blickt auch der verträumte Spieler in die Vergangenheit und seufzt wohlig, wenn er sich 8-20 Jahre zurückversetzt fühlen darf, als Rollenspiel noch 100% Würfel hatte, Handies halb so viel wie ein Motorrad kosteten und SciFi noch ordentlich 80er war.
Zukunft
Der Jahrtausendwechsel war die Zeit der neuen Kleinverlage, wie mir scheint. Der Anbietermarkt hat sich nun sauber ausreguliert, die Branche hat sich halbwegs erholt und nun wird wieder gedruckt. Ich hoffe mal, dass sich die Verlage da nicht verkalkulieren. Begeisterte Spieler werden sich das Zeug holen, aber wer immer noch Traveller spielt, hat ohnehin alles auf Englisch. Am Ende liegen hunderte unverkaufter Neuauflagen alter Spiele in Verlagskellen und binden Kapital. Denn wenn ich mich richtig erinnere, fast alle oben genannten Systeme habe ich auf Grabbel- und Ramschtischen in Läden und auf Cons gefunden. Wenn die schon 2001 keiner haben wollte, will sie aber vielleicht 2008 endlich wieder jemand. Immerhin sind die Bilder zum größtel Teil jetzt nachkolloriert.