Gammaworld - das klassische Science Fantasy Setting

Archivierte Threads
Antworten
Benutzeravatar
Lhankor Mhy
Illuminatus regens
Beiträge: 2636
Registriert: Di Jan 14, 2003 23:58
Realname: Frank
Wohnort: Ulm
Kontaktdaten:

Gammaworld - das klassische Science Fantasy Setting

Beitrag von Lhankor Mhy »

Ich möchte aufgrund der Möglichkeit in einer der nächsten Vereinsspielrunden ein paar Spielern das Gammaworld-Setting näherzubringen, hier ein paar Informationen zu diesem Science Fantasy Setting im Stile von Romanen wie "Hieros Reise" anbieten.

Gammaworld (in der Regelausprägung von 1978) war mein erstes Rollenspiel als Spieler und auch das erste, in welchem ich mich als Spielleiter versucht hatte.

Ich habe es von der kleinen, knappen 59-Seiten-Ausgabe der 1st. Edition, über die diversen Neuauflagen (alle paar Jahre), über die Alternity-Version bis hin zu der aktuellen, und - nach meinem Eindruck aufgeblähten - 650+-Seiten-Fassung von Gammaworld D20 begleitet.

Ich hänge - nicht nur aus Nostalgiegründen - der Settingdarstellung aus den alten Auflagen an, da mir der besondere Charakter dieses seltsamen Rollenspiels in den späteren Auflagen durch Hineinmischen weiterer "Interessensgebiete" nicht mehr so fokussiert erscheint. Dies ist ganz besonders augenfällig beim inzwischen mehr als zehnmal so umfangreichen Gammaworld D20 gegenüber dem knappen, aber vollständigen klassischen Gammaworld der ersten Auflage: trotz des verzehnfachten Volumens enthält die D20-Ausgabe leider nicht zehnmal mehr brauchbares Material, sondern - besonders im Spielleiterhandbuch - enorm viel überflüssiges, nicht Gammaworld-spezifisches Geschwafel. Die alten Ausgaben hatten das Coole an Gammaworld schlichtweg komprimierter und direkter vermitteln können. Daher meine Präferenz für diese Sicht auf eines meiner Lieblings-Settings.

Ich werde nachfolgend ein paar Informationen zum Setting nach dem Stand der Spielwelt der ersten Auflage aufführen, die zum Kennenlernen anregen und eine kurze Einführung in das Setting darstellen sollen.

(Hier werde ich jedoch nicht auf die Regeln eingehen, da es praktisch mit jeder neuen Auflage eine größere Regeländerung bis hin zum totalen Regelsystemwechsel vom eigenen Gammaworld-Regelsystem über Alternity zu D20, etc. gab. Aber es gibt auch Risus-Gammaworld-Adaptionen, Savage Gammaworld für das Savage Worlds Regelwerk, und andere Regeladaptionen dieses Settings. An den Inhalten ändert sich jedoch wenig. - Das alte Gammaworld-Regelsystem war übrigens, obwohl aus demselben Verlag TSR wie D&D damals, schon ein System ohne Charakterklassen, mit einem einfachen, aber schnellen Kampfsystem, und mit funktionstüchtigen Regeln für Fahrzeuge, Roboter, High-Tech-Waffen und -Geräte ausgestattet - zusätzlich zum auch in Gammaworld verbreiteten Fantasy-Mittelalter-Techlevel.)
Benutzeravatar
Lhankor Mhy
Illuminatus regens
Beiträge: 2636
Registriert: Di Jan 14, 2003 23:58
Realname: Frank
Wohnort: Ulm
Kontaktdaten:

Beitrag von Lhankor Mhy »

(Nachfolgend die Einleitung aus dem Gammaworld-Regelbuch der ersten Auflage von 1978. Beim Übersetzen hatte ich bei einigen Textpassagen aufgrund der aktuellen politischen Situation bisweilen ein seltsam betroffenes Gefühl. Aber lest selbst...)

Einführung in Gammaworld


Der Mensch, von Australopithecus africanus und homo erectus bis hin zu homo sapiens recens, mag auf Erden Hunderttausende, vielleicht Millionen von Jahren existiert haben. Während dieser Zeit hat ihn eine Fertigkeit, ein besonderes Talent von jeder anderen Kreatur abgehoben – seine Fähigkeit Werkzeuge zu entwerfen und zu erschaffen. Tatsächlich wurde der Mensch unter anderem als das „werkzeugmachende Tier“ definiert.

Von Steinsplittern und polierten Knochen bis zu Neutronenbomben und Computern, der Mensch hat beständig seine Werkzeuge umgestaltet, verbessert, verfeinert, um seinen immer im Wandel befindlichen Bedürfnissen zu genügen. Manche waren Spielzeuge für Kinder. Manche haben seinen Lebensstil verbessert. Andere waren notwendig für sein Überleben. Einige wenige haben beinahe seine Vernichtung herbeigebracht.

Im frühen 24. Jahrhundert war der Stand der Menschheit ohne Gleichen in der Vergangenheit. Die Vergewaltigung von Mutter Erdes Ressourcen und Schönheiten aus dem 20. und 21. Jahrhundert wurde gestoppt und sogar umgekehrt, durch des Menschen Werkzeuge. Der Mensch hat seine Hand nach den Sternen ausgestreckt, und sie erlangt – mithilfe seiner Werkzeuge. Und doch, trotz (oder vielleicht wegen) all dieser vollendeten Werkzeuge fand das idyllische Leben der Menschheit des 24. Jahrhunderts ein jähes Ende.

Nachdem der Mensch die Härten des einfachen Überlebens gemeistert hatte, konnte er seine Energien in stärker esoterische Überlegungen investieren – Theologie, politische Ideologien, soziale und kulturelle Eigenheiten, seine eigene Selbstverwirklichung. Diese Aktivitäten waren nicht an sich in irgendeiner Weise schädlich, aber es wurde bald Mode sich mit bestimmten Organisationen, Logen, und sogenannten „Interessensgruppen“ zu identifizieren und diese zu unterstützen. Im Laufe der Zeit wurden fast alle dieser Gruppen polarisiert und begannen ihre Ansichten in einer Form auszudrücken und auch anderen aufzuzwingen, die an Fanatismus grenzte. Demonstrationen, Proteste und Debatten waren an der Tagesordnung. Graduell wandelte sich Enthusiasmus erst in Besessenheit, dann in offenen Haß gegen alle, die gegensätzliche Ansichten hatten. Gewaltausbrüche wurden immer häufiger und Terroristen verbreiteten ihre Ansichten mit Waffen und Bomben.

Die Rekonstruktion der Ereignisse zwischen 2309 bis 2322 ist schwierig, da intakte Aufzeichnungsmedien rar sind. Historiker legen heutzutage jedoch den Beginn dieser Zeit, die heute als die „Schattenjahre“ bekannt sind, auf den 16. September 2309. An diesem Tage hielten an die 5000 Mitglieder der „Liga der Freien Menschen“ eine Demonstration zur Förderung ihrem Konzept einer geeinten, fairen Weltregierung ab. Am Höhepunkt der Kundgebungen auf dieser Demonstration wurde die Detonation einer kleinen Neutronenbombe inmitten der Demonstranten ausgelöst, welche die meisten der Demonstranten tötete. Gerüchte machten die Gegner einer starken Weltregierung, eine Gruppe, die als die „Autonomisten“ bekannt war, für diesen Terroranschlag verantwortlich, aber es konnte nie ein Schuldiger gefunden werden.

Die „Liga der Freien Menschen“ machte keine formalen Anschuldigungen oder Anklagen, aber drei Monate nach dem Anschlag, am 23. Dezember 2309, wurden in über die gesamte Erde verteilten Lokationen mehrere Hundert bekannte „Autonomisten“ ermordet. Zusätzlich waren die drei Hauptbüros der „Autonomisten“ das Ziel von Anschlägen mit neuartigen Nervengasen. Das Nervengas war die Todesursache für etwa 3000 Menschen, die Mehrheit „Autonomisten“-Verwaltungspersonal. Viele der Getöteten hatten keinerlei ideologische Verbindung zur „Autonomisten“-Organisation, sondern arbeiteten nur dort. Die Verantwortung für diese Nervengastodesfälle wurde der „Liga“ zugeschoben, aber es gab nie Beweise. Das Versagen der offiziellen Ermittler diese Massenmörder zu überführen, zog eine Welle an Selbstjustiz nach sich; Gegenschlag folgte auf Gegenschlag. Das Problem wurde verschärft als der Terror die nationalen Grenzen sprengte und die Welt ein globales Blutvergießen gezogen wurde.

Während die Selbstjustizaktionen andauerten, versuchten verschiedene Regierungen die terrorverdächtigen Organisationen zu verbieten und zu zerschlagen, aber diese Maßnahmen trieben diese Gruppen nur noch mehr in den Untergrund und polarisierten ihre Unterstützer noch stärker. Das führte dazu, daß viele Staaten in einem letzten, verzweifelten Versuch die öffentliche Ordnung wiederherzustellen das Kriegsrecht verhängten. Doch die sich bekriegenden Gruppen waren schon zu mächtig. Sie hatten zu viele Ressourcen (sowohl finanzielle als auch politische), auf die sie zurückgreifen konnten. Obwohl es keine ausreichenden Aufzeichnungen darüber gibt, diese Annahme zu bestätigen, so scheint es im historischen Rückblick Anhaltspunkte dafür zu geben, daß die Regierungen insgeheim bestimmte Gruppen unterstützten, um einen Wandel im Machtgefüge auszulösen.

In den letzten Monaten der „Schattenjahre“ kündigte eine neue Organisation, sich selbst als „Die Apokalypse“ bezeichnend, ihre Existenz mit dem inzwischen berühmten Ultimatum an:

Völker der Welt – Ihr betreibt die Zerstörung einer Zivilisation, die Jahrhunderte zum Wachsen gebraucht hat, und die Vernichtung des Lebens auf diesem Planeten.
Wenn das Euer Wunsch ist... so sollt Ihr es haben!
Wir, Die Apokalypse, fordern ein sofortiges Einhalten all dieser geisteskranken Gewalttätigkeit, oder wir werden sie für Euch beenden
... mit einer Macht, die jenseits Eurer Vorstellungskraft liegt.
Wir haben die Macht!
Ihr habt die Wahl!


Die genaue Identität „Der Apokalypse“ war damals und ist immer noch unbekannt. Manche haben die Theorie aufgestellt, daß sich diese Gruppe aus Wissenschaftlern rekrutierte. Manche glauben, daß es sich um eine militärische Gruppierung handelte. Was auch immer der personelle Hintergrund der Mitglieder war, nur sehr wenige glaubten damals daran, daß dieses Ultimatum ernst gemeint war, und so ging das Kämpfen weiter. Fünf Tage später, am 17. April, exakt um 12:00 Uhr GMT, wurde jede Hauptstadt jedes Staates der Erde in einen Krater radioaktiver Schlacke verwandelt.

„Die Apokalypse“ sprach ein weiteres Mal zu der Welt:

Völker der Welt, ihr seid gewarnt.
Wir haben die Macht!
Ihr habt die Wahl!


Wiederum durch den beklagenswerten Mangel an verwertbaren Aufzeichnungsmedien ist es heute nicht mehr festzustellen, wie der Sitz der geheimen Basis „Der Apokalypse“ ausfindig gemacht wurde, oder wer den Angriff auf diese Basis begonnen hatte. Manche Indizien weisen daraufhin, daß es sich hierbei um eine konzertierte Aktion fast aller überlebenden Terroristengruppierungen und des Selbstjustizgruppen – zum ersten Male in den „Schattenjahren“ vereint – gehandelt haben mag. Letztlich wurde, soviel ist unabstreitbar, ein massiver Angriff gegen die Basis „Der Apokalypse“ durchgeführt. Im Gegenzug schlug „Die Apokalypse“ mit einer nie vorher gekannten Raserei zurück. Die Ozeane kochten, die Kontinente erbebten, der Himmel flackerte im Lichte unglaublicher freigesetzter Energien.

Plötzlich war alles vorüber.

Die Zivilisation der Menschheit wurde zerrissen, verbrannt, zermahlen und in alle vier Winde zerstreut. Ob „Die Apokalypse“ tatsächlich die Absicht hatte alles Leben auf dem Planeten völlig zu vernichten und dabei versagt hatte, oder ob die gewaltige Machtentfesselung „Der Apokalypse“ schlichtweg doch nicht ausreichend war, kann heute nicht mehr abschließend beurteilt werden. Manche Gelehrte meinen, daß „Die Apokalypse“, als sie die Schrecken, die sie entfesselt hatten, mitansahen, freiwillig die völlige Zerstörung abgebrochen hatten, bevor sie sich selbst zerstörten. Doch dies war damals müßig, und ist es heute noch.

Was wirklich von Bedeutung war, ist, daß der Mensch überlebt hat. Die „Schwarzen Jahre“, die den „Schattenjahren“ folgten, wurden verbracht im Kampf um das nackte Überleben in einer plötzlich wilden und unvorstellbar veränderten Welt. Dieser Überlebenskampf war schmerzlich, angefüllt mit ebensoviel Schrecken und Gewalt wie die „Schattenjahre“.

Die Zerstörungen, die „Die Apokalypse“ verursacht hatten, haben das Grundgefüge des Lebens auf Erden gewandelt. Die Waffen und Geräte, die zum Einsatz kamen, hatten viele Lebensformen völlig ausgelöscht. Andere wurden mutiert zu einem Grade, daß sie kaum mehr als das, woraus sie einst hervorgegangen sein mögen, zu erkennen sind. Auch der Mensch war vor diesem Wandel nicht gefeit.

Durch all dies hindurch, durch allen Tod, den Schmerz, den Schrecken und die Aussicht auf eine ungewisse Zukunft hindurch hat der Mensch nach seinem verlorengegangenen Wissen gesucht und darum gerungen seine Werkzeuge wiederzuerlangen ... um eine von ihm selbst zerstörte Zivilisation wiederaufzubauen.

Während dieser „Schwarzen Jahre“ waren es diejenigen, welche die Werkzeuge hatten, die auch die Macht hatten ...

* * *

Wir schreiben das Jahr 2471. Es ist geradezu unmöglich die umfassenden Änderungen zu beschreiben, die sich seit der Verwüstung der Zeit der „Schattenjahre“ ergeben haben.

Die Waffen, die Tod und Zerstörung über die Erde gebracht hatten, waren zahlreich und vielfältig. Ziele wurden von Lasern versengt, von Fusionsgeräten zerrissen, und völlig vernichtet durch neue, unermeßliche Energien, die in den letzten Monaten der Konflikte entwickelt und auch freigesetzt wurden. Nur die am stärksten befestigten Gebiete (Militärhauptquartiere, Raumhäfen, und ähnliche Einrichtungen) haben das Ganze (wenn auch nur noch teilweise intakt) überstanden. Neutronenbomben haben, ungehindert durch die meisten Arten an Abschirmung, selbst alle die, die in diesen Festungen waren, dezimiert, Sie haben nur noch Gräber aus Metall und Beton voller komplexer Ausrüstung hinterlassen – letztere nunmehr ohne jegliche menschliche Führung faktisch stillgelegt.

Viele der Waffen, die von „Der Apokalypse“ benutzt wurden, waren biogenetische Waffen, die dazu führten, daß nahezu alle Lebensformen der Erde von Mutationen betroffen waren. Die vielleicht häufigste und erschütterndste Änderung gegenüber der alten Welt, war das Herausbilden von latenten mentalen Fähigkeiten (psionischen Fähigkeiten) in nahezu allen Lebensformen, einschließlich des Menschen. Diese Macht konnte von einer einfachen emotionalen Empathie bis zur Fähigkeit andere Wesen mittels mentaler Kraft zu kontrollieren oder gar zu töten reichen.

Das ökologische Gleichgewicht der Natur war genauso gewalttätig und plötzlich erschüttert worden wie die menschliche Zivilisation. Das plötzliche Aussterben einer ganzen Reihe von Lebensformen und die Mutation der meisten anderen, gekoppelt mit der fehlenden Aufmerksamkeit (außer für seine eigenen Überlebensfragen) und dem fehlenden Einschreiten des Menschen dagegen erzeugten eine nahezu weltweite Wildnis, bewohnt von ungezähmten Kreaturen, die – wie der Mensch – ums Überleben rangen.

Der Verlust von so viel menschlichen Wissens und Aufzeichnungen hat die Welt in Ignoranz und Vorurteile gehüllt. Gebiete, in denen sich Ruinen der einstmals großen Zivilisation des Menschen befinden, werden oftmals als „tabu“ – als „Todeszonen“ – angesehen und die Männer und Frauen, die einst dort lebten, werden als die „Alten“ bezeichnet, für gewöhnlich mit quasi-religiösen Obertönen vorgetragen. Artefakte der Vergangenheit könnten einfachste Kuriositäten sein, oder reine Schreckensobjekte.

Die heute noch existierenden Siedlungsgebiete der Menschheit sind nicht zahlreich (eher im Gegenteil) und verstreut über die gesamte Welt, die für auch nur einen Augenblick der Unachtsamkeit einen sofortigen und schmerzhaften Tod bereithält. Die Menschen sind sehr mißtrauisch Fremden gegenüber, horten eifersüchtig ihre Besitztümer, und sind möglicherweise Mitglied einer der vielen Geheimgesellschaften, die man auch als „Kryptische Allianzen“ kennt. Diese agieren – oft, aber nicht immer – im Verborgenen, sind am Planen, am Spinnen von Intrigen, sowie am Verfolgen ihrer geheimen Ziele. Zudem versuchen sie sich ständig gegenseitig das Leben noch schwerer zu machen, als es eigentlich schon ist.

Und auch nur das kleinste Hauch an Informationen über die mögliche Lokation der Basis „Der Apokalypse“, nun seit Generationen verschollen, bewirkt intensive „Beschäftigung“ mit den Rivalen, denn – so das Gerücht – in der Basis „Der Apokalypse“ liegt Macht. Die Macht zu überleben. Die Macht zu herrschen. ...

Wir befinden uns in den „Schwarzen Jahren“.
Antworten