Forenrollenspiel: Land in Sicht!

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Daniel
Illuminatus regens
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Beitrag von Daniel »

Die Mannschaft war sichtlich begeistert von dem Schauspiel welches Master Wickham und Thomas den Seemännern boten. Sicherlich ist dies eines der Erlebnisse, weches zu beobachten nicht jedermann vergönnt ist, und so hob sich auch die etwas gedrückt wirkende Stimmung an Bord wenigstens kurzfristig an. Der eine oder andere könnte sich vielleicht aus den Übungen den einen oder anderen Kniff abschauen.

Sam Higgins, der abergläubische Matrose, reagiert erstaunt und mit einer hochgezogenen Augenbraue auf die Bitte von Schwester Ilegart, den Schreiner des Schiffs, Seamus Quinn, ob des angeblich kaputten Fensters zu verständigen. Kurze Zeit darauf erscheint Quinn auch schon, wobei seine Rumfahne noch vor ihm bei der Nonne eintrifft.
"Aye, was kann ich für Sie tun, Schwester? Higgins sagte mir, das Kabinenfenster sei kaputt...", er geht zum Fenster, schaut es an, öffnet und schließt es einige Male und fährt fort "Kann kein Problem feststellen, Schwester. Muß wohl jemand vergessen haben es zu schließen. Oder natürlich, es war der Klabautermann, hahaha..." Quinn verstummt augenblicklich und seine Mundwinkel fallen nach unten, wie von einer unsichtbaren Zange gezogen. Er dreht sich ab und ruft ohne sich der Schwester zuzuwenden:"Schönen Tag dann noch."

Der Rest des Tages verstreicht ereignislos, und es ist kurze Zeit vor dem Dinner. Aus der Kombüse steigen schon heiße Dämpfe heraus...
Wenn Master Startton noch seine Verabredung einhalten will, müßte er sich beeilen...
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The Dodger
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Beitrag von The Dodger »

Gareth ist von Roses Antwort enttäuscht, lässt sich jedoch nichts anmerken, genauso wenig, wie er sich anmerken lässt, wie sehr ihn die Vorgänge in der Kabine nebenan und Ilsegarts Verlassen derselben interessieren. So kommt es ihm gerade recht, dass Rose das Thema wechselt, und nachdem er ihre Frage mit einem 'ja' beantwortet hat, gehen die beiden an Deck, um sich einen schönen Platz zu suchen, an dem sie sich mit etwas Kartenspiel die Zeit vertreiben und etwas zerstreuende Konversation betreiben können. Nach einiger Zeit verabschiedet sich Rose, da sie angeblich etwas mit Schwester Ilsegart besprechen möchte, versichert Gareth jedoch nochmals, dass sie am Abend seinem Geigenspiel lauschen wolle. Gareth bleibt noch eine Weile sitzen, genießt das wundervolle Wetter und geht dann schließlich in die Passagierkabine, um sich ein Buch zu holen und sich so den restlichen Nachmittag zu vertreiben.

Erschrocken stellt Gareth Stunden später fest, dass er sich wohl zu sehr in Shakespeares Werke vertieft hat, jedenfalls bleibt ihm nicht mehr allzu viel Zeit, wenn er seine Verabredung mit Wickham pünktlich einhalten will, da er schon riechen kann, dass die Vorbereitungen für das Abendessen in vollem Gange sind.

Dann wollen wir mal sehen, was der Windbeutel von mir will – vorausgesetzt, die Angelegenheit hat sich von seiner Seite nicht plötzlich erledigt. Mal sehen, ob ich ihm helfen kann, nachdem die Schwester es offensichtlich nicht konnte. Mal sehen, ob ich ihm überhaupt helfen will! Bei dem Gedanken muss Gareth humorlos grinsen. Du wirst mir jedenfalls etwas anbieten müssen, Wickham, etwas, das mich wirklich interessiert, sonst bekommst du gar nichts von mir!

Gareth sammelt sich noch einmal kurz und atmet tief durch, bevor er, Shakespeares Werke unter den Arm geklemmt, zweimal kurz an Wickhams Kabinentür klopft.
Einen Augenblick später öffnet Thomas ihm die Tür, bittet ihn herein und schließt die Tür anschließend sofort wieder. Wickham sitzt auf einem Stuhl vor einem improvisierten Schreibtisch, über irgendetwas gebeugt, auf das er Gareth jedoch die Sicht versperrt, und dreht sich zu ihm um, als Gareth eintritt. Auch wenn er sich gelassen gibt, in seinen Augen steht die Verachtung, die er dem Medicus entgegenbringt, deutlich geschrieben. Doch Gareth bemerkt noch etwas in ihnen: Neugierde, Nervosität und – was ihn sehr erstaunt – Angst.

Interessant! denkt sich Gareth Doch wovor fürchtest du dich? Dich nicht etwa davor, dass ich etwas wissen könnte, wo du nicht weiterweißt?
Mit einer zu einem Kopfnicken verkümmerten Verbeugung zur Begrüßung, beschließt er, in die Offensive zu gehen, bevor Wickham überhaut etwas sagen kann.

“Lt. Wickham, Ihr habt mich um eine Unterredung ersucht, und hier bin ich. Womit kann Euch ein 'unsteter Lügner' zu Diensten sein? Doch bitte fasst Euch kurz, die Lektüre hat mich doch sehr hungrig gemacht, und das Dinner muss beinahe bereit sein.“
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Lhankor Mhy
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Beitrag von Lhankor Mhy »

Wickham ist nach dem Besuch der Ehrwürdigen Schwester etwas mitgenommen. "Thomas, mein Guter, sieh' doch einmal in meinem persönlichen Vorrat nach, ob der französische 98er die Fahrt bisher gut überstanden hat. Wenn ja, dann könnte ich jetzt gut einen Becher oder zwei vertragen - und Du siehst aus, als würde es Dir auch gut bekommen, nicht wahr? sagt Wickham fröhlich, doch sein Blick spricht etwas Anderes. "Wie Ihr meint, Master Geoffrey" sagt Thomas, dem auch nicht so ganz wohl ist. 'Was mag sein verstorbener Landsmann wohl mit der Statuette gewollt haben? Und warum hat diese solch einen beunruhigenden Einfluß auf alle, die sie sich genauer ansehen?' denkt er sich, als er den Wein und zwei von Wickhams guten Zinnbechern aus einer der Reisekisten holt, die Flasche öffnet und einen der Becher damit füllt. Er schenkt sich ebenfalls ein und reicht Wickham dessen Becher. Schweigend trinken beide Männer und vermeiden es sich anzusehen.

Nachdem die Flasche geleert ist, verstaut Thomas die leere Flasche und die Becher wieder und fragt: "Der Nachmittag ist noch jung. Was tun wir bis zum Abend, wo der Medicus bei Euch vorsprechen sollte?" Wickham überlegt eine Weile, springt dann von seiner Koje auf und nimmt mit zielsicherem Griff das Buch des 2. Earl von Chatham über Westindien zur Hand. "Thomas, ich weiß, daß Dir das Lesen zwar geläufig, doch nicht gefällig ist. Dennoch - vielleicht habe ich etwas in diesem Reisebericht des 2. Earl von Chatham übersehen, daß Du mit vorurteilsfreiem Geiste vielleicht noch erkennen magst. Etwas, das Aufschluß über diese vermaledeite Statuette geben könnte." Wickham überlegt laut: "Eventuell ist ja bei den dortigen Eingeborenen solch krudes Schnitzwerk üblich und über See in unser gutes England gekommen, wo es dann von Deinem verstorbenen Landsmann erworben wurde. Oder er war selbst schon in Westindien und hat es dort als Andenken oder dergleichen erworben? Oder es stammt aus dem schwarzen Afrika - die Farbe der Figur deutet ja etwas darauf hin. Oder vielleicht entstammt es doch Deiner schottischen Heimat und hat etwas mit den keltischen Wurzeln zu tun? - Du siehst, ich möchte diesmal Deinen kritischen Verstand bemühen, diesem Rätsel, wenn es denn eines ist, auf den Grund zu gehen. Am liebsten wäre mir, wenn dies gelänge, bevor der unmögliche Mensch von Medicus seinen Termin wahrnimmt, ist dies doch ein Ziel aufs Innigste zu wünschen, da es Master Stratton garnicht bekommt, wenn man ihm zuviel - das heißt: mehr als keine - Aufmerksamkeit schenkt."

Thomas beugt sich - etwas widerwillig - über seine Lektüre, während Wickham zu dem Buch mit dem Symbol Christi auf dem Einband greift. "Vielleicht ist ja tatsächlich Trost und Wahrheit in diesem Buch zu finden. Mein Gemüt ist derzeit so aufgewühlt, daß ich einen Versuch wagen will. So werde ich die düsteren Kapitel wie Hiob oder die Offenbarung befragen, ob sie mir Aufschluß über mein Traumgesicht zu geben vermögen. Vielleicht sollten wir aber heute noch mit der guten Schwester Ilsegart das Complet beten, da man sich in spirituellen Fragen besser in der Gemeinschaft der Gläubigen unseres Herr Jesus Christus befindet, als allein und nur auf die Unzulänglichkeit des menschlichen Verstandes zurückgreifend nach Tatsachen zu graben, wie ein Wurm in einem frischen Grab." spricht Wickham und schlägt entschlossen seine Lektüre auf.

Der Nachmittag vergeht für Wickham wie im Fluge. Thomas hat unterdessen bereits Kerzen entzündet, da es langsam auf die Abenddämmerung zugeht. Nach einer Weile klopft es zweimal an der Türe. Wickham bedeutet Thomas zu öffnen. Der schlägt das Buch mit der Reisebeschreibung zu und geht zur Türe. Als er diese öffnet steht dort der Medicus, Master Stratton, mit einem immensen Buch unter den Arm geklemmt. Er tritt ein und Thomas schließt die Türe wieder hinter ihm. Wickham merkt sich die Stelle, die er gerade lesen wollte und schließt seine Ausgabe der Heiligen Schrift. Er dreht sich zu dem Medicus um, der verlegen und etwas unbeholfen in der - inzwischen - engen Kabine steht.

Wickham wundert der unstete Blick des Medicus etwas. Irgendwie wirkt er mehr mit sich selbst, als mit seinen Mitmenschen beschäftigt. Der Eindruck, den Wickham von Master Stratton hat, wird noch bekräftigt, als dieser statt einer höflichen und zivilen Begrüßung nur den - fehlgeschlagenen - Versuch einer verkniffenen und ungelenken Verbeugung macht; das voluminöse Buch immer noch unter einen Arm geklemmt kommt nicht mehr als ein schiefes Kopfnicken dabei heraus. 'Gute Güte, wie ungeschliffen ein Mensch doch sein kann!' denkt sich Wickham und schaut den Medicus leicht verärgert, aber auch ein wenig neugierig an. 'Noch eine Spanne weiter verbeugt, und das Buch fällt ihm aus dem Arm' vermutet Wickham und schließt mit sich innerlich eine kleine Wette darüber ab.

Unaufgefordert und ohne Wickham die Gelegenheit zu einer formellen Begrüßung zu geben, poltert der Medicus los: "Lt. Wickham, Ihr habt mich um eine Unterredung ersucht, und hier bin ich." Wickham wundert sich: 'Warum spricht mich Master Stratton wohl mit meinem militärischem Rang an? An Bord sind alle doch zivile Reisende, oder weiß er da vielleicht mehr?'

Der Medicus setzt fort: "Womit kann Euch ein 'unsteter Lügner' zu Diensten sein?" Wickham lächelt in sich hinein: 'So, so! Ein Gelehrter, bei dem nicht die Sonne Zentrum des Universums ist, sondern seine eigene Eitelkeit. Vielleicht habe ich ihn doch überschätzt, was seinen nüchternen Verstand anbelangt?' Während Wickham sich noch amüsiert fährt der Medicus fort: "Doch bitte fasst Euch kurz, die Lektüre hat mich doch sehr hungrig gemacht, und das Dinner muss beinahe bereit sein." 'Essen - eine gute Idee; vielleicht seine erste? Doch zuerst die Pflicht...' denkt sich Wickham und wendet sich an den Medicus.

"Mein guter Master Stratton, ich weiß sehr wohl, daß die Zeit in Eurem Berufsstand kostbar ist, weshalb ich selbige nicht über Gebühr beanspruchen möchte." sagt Wickham und verzichtet darauf, Master Stratton einen Sitzplatz anzubieten, wobei er sich nicht sicher ist, ob diese kleine Entgegnung auf die derbe Unhöflichkeit des Medicus von diesem überhaupt verstanden wird.

"Es geht um einen Patienten von Euch - den unseligen schottischen Beinahe-Mitreisenden. Dieser stand ja gewisse Zeit unter Eurer Behandlung bevor er vermutlich unter Qualen verschied. Versteht mich bitte nicht falsch, mein guter Master Stratton. Ich will mit keinem einzigen Wort einen Zweifel an Euren gewiß bemerkenswerten Fähigkeiten in der Heilkunst äußern. Mir ist es nur ein Anliegen zu erforschen, wer dieser nunmehr Verschiedene war und was seine Herkunft war, auf daß seine Familie benachrichtigt werde, um trauern zu können, wie es guten Christen zukommt. - Ja, es war schon sehr unglücklich, daß der gute Kapitän Clifford so bald von dem Dahinscheiden in Kenntnis gesetzt werden mußte. Er hat durch seine - bestimmt in gutem Glauben und mit gutem Grund getroffenen - Entscheidungen leider verhindert, daß man die Familie benachrichtigen konnte oder etwas über die sonstige Herkunft des Unglücklichen herausgefunden hätte." Die Worte sind kaum verklungen, als sich das Gesicht des Medicus rötet wie ein Hummer in kochendem Wasser. Er wirkt von Ärger angefüllt, als könnte er jeden Moment platzen, doch Wickham setzt fort: "Ihr wart ja in nächster Nähe, als er noch litt. Hat er da etwas zu Euch sagen können?"

"Vielleicht, vielleicht auch nicht!" platzt es aus dem Medicus heraus, "Warum meint Ihr denn, dies ginge Euch etwas an? War das Eure ganze Frage an mich? Wenn ja, dann gehe ich lieber etwas essen, bevor Ihr es schafft mir endgültig den Appetit zu verderben." Der Medicus wendet sich zur Tür, wo Thomas ohnehin bereits breitschulterig im Wege steht.

Wickham hebt beschwörend die Hand, "Aber, aber, Master Stratton! Wer wird denn gleich so empfindlich sein? Ich glaube, daß niemand jemals Kritik über Eure Behandlungsmethode geäußert hat oder äußern konnte. Mir geht es eher darum den Anstand und die guten Sitten zu wahren, wozu - wie Ihr mir doch zustimmt? - auch ein anständiges Begräbnis und die Trauer der Hinterbliebenen gehören." Der Medicus macht eine säuerliche Miene dazu, aber sein Gesicht geht etwas zu einem schwächeren Rotfarbton über.

Wickham setzt, ohne dem Medicus eine Pause zum Sprechen zu geben, fort: "Bei der Salbung des Toten ist eines seiner Besitztümer von dem Abtransport an Land durch eine - glückliche, oder was meint Ihr? - Fügung des Schicksals verschont worden und hier an Bord verblieben. Der Verstorbene war im Besitz eines kleinen Kunstgegenstandes, einer Art Statuette aus schwarzem Holz. Diese Statuette hat eigentümliche Eigenschaften, die einer gelehrten, kritischen Betrachtung sicherlich besser zu entlocken sind, als dies durch die spirituelle Kraft der guten Schwester gelang oder durch meine - zugegeben amateurhaften - Versuche auf der Grundlage jenes Buches" er weist auf den Reisebericht des 2. Earls von Chatham. "Ich bin sicher, Ihr könntet wesentlich mehr zur Erhellung der Herkunft des Verstorbenen beitragen, wenn Ihr Euch mit dessen Statuette und eventuell auch meinem Exemplar des Reiseberichts des 2. Earls von Chatham beschäftigtet. Mein Vertrauen in Euch geht sogar so weit, daß ich Euch das Buch sogar leihweise überlassen würde. Die Statuette jedoch, die werde ich bis auf Weiteres verwahren."

Der Medicus überlegt eine Weile - 'er scheint neugierig zu sein, so wie seine Finger an dem Buch unter seinem Arm herumspielen' denkt sich Thomas. Dann sagt Master Stratton mit entschlossener Miene: "Ich bin mir nicht sicher, ob es eine gute Idee ist Euch, Master Wickham, bei Eurem in meinen Augen dubiosen Unternehmen behilflich zu sein. Doch wenn ich dem unglücklichen Schotten und dessen mutmaßlicher Familie dienlich sein kann, so will ich gerne einen kritischen Blick auf Euren Fund werfen. Ob ich danach von Eurem Angebot bezüglich des Buches Gebrauch machen werde, kann ich jetzt noch nicht sagen. - Doch laßt mich nun die Statuette sehen und ein eigenes Urteil bilden."

Wickham nickt zustimmend und nimmt das Bündel der in eines seiner besten Taschentücher eingewickelten Statuette von der Reisetruhe, auf der es Schwester Ilsegart abgestellt hat, und reicht es wortlos dem Medicus, der vor der Entgegennahme sein bis dahin immer noch unter seinem Arm befindliches Buch auf Wickhams Koje ablegt.

Vorsichtig wickelt Master Stratton die schwarze, krude bearbeitete Holzfigur aus dem Taschentuchbündel aus. Die Figur hat einen eigentümlichen Glanz und sieht durchaus sehr exotisch und dabei sehr primitiv aus. Master Stratton schaut sich die häßliche, schwarze Figur nun - unter den aufmerksamen Blicken von Wickham und Thomas - etwas genauer an...
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The Dodger
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Beitrag von The Dodger »

Wickhams Gerede, wie sehr er um christliche Seele jenes unglücksseligen Schotten bemüht sei, scheint Gareth so falsch, wie Wickhams Bekundungen, er würde nicht an seinen Heilkünsten zweifeln. ‚Als ob du mir nicht schon längst gesagt hättest, was du von mir und meinen Künsten hältst, sowohl direkt, als auch indirekt, du verlogene Schlange. Aber bitte, ich habe nichts anderes von dir erwartet, als die Dinge so hinzudrehen, wie sie dir gerade passen. Mögest du an deiner eigenen Verlogenheit ersticken’.

Als Wickham jedoch beginnt, von der Statuette zu erzählen, trifft er Gareths wunden Punkt: seine Neugierde und seinen Wissensdurst. ‚Das ist es also, was dich wirklich beschäftigt. Nun ja, lass es mich anschauen, und ich werde wissen, ob ich dir etwas dazu sagen kann. Wenn ich es will.’

Auf – relativ – höfliche Art und Weise bekundet er Wickham sein Einverständnis, die Statuette zu untersuchen, und nachdem er Shakespeares Werke auf Wickhams Koje untergebracht hat, nimmt er das ihm angebotene Bündel und beginnt langsam, es zu öffnen. Die Gestalt der kruden schwarzen Holzstatuette, die daraufhin zum Vorschein kommt, schockiert Gareth im ersten Moment, doch nachdem er sich gefangen hat, beginnt er, die Figur eindringlich zu begutachten, wobei er Thomas und Wickham um sich herum vergisst. Nachdem er die Statuette einige Male in dem Händen gedreht hat und sich sicher ist, dass er jedes Detail dieser äußerst hässlichen Schnitzerei genauestens untersucht hat, verfliegt seine Neugierde allmählich und weicht nach und nach Frustration. Alles, was er Wickham über sein krudes Fundstück zu berichten vermag, ist, dass ihm solch ein hässliches und im ersten Moment auch verstörendes Kunstwerk noch nie untergekommen ist. Doch noch mehr als die Tatsache, Wickham sein Unwissen eingestehen zu müssen, ärgert es ihn, es sich selbst eingestehen zu müssen, und seine Frustration beginnt, in Wut überzugehen. ‚Verdammt noch mal, woher soll ich wissen, woher diese Statuette kommt. Ich bin Medicus, kein Anthropologe. Na wenigstens wird Wickham mir einmal etwas mit Freuden glauben. Meine Unwissenheit muss ein Festmahl für ihn sein.’ Gareth schließt einen Moment die Augen, um sich zu beruhigen und zu sammeln. Als er sich wieder unter Kontrolle hat, wendet er sich an Wickham.

"Master Wickham, ich bedaure zutiefst, ihnen eingestehen zu müssen, dass ich aus dem Stehgreif kaum etwas Konstruktives zu dieser Statuette beitragen kann. Alles, worüber ich mir im klaren bin, ist das Faktum, dass dieses ‚Kunstwerk’, wenn man es als solches bezeichnen will, kein Produkt einer Europäischen Kultur ist. Auch bin ich mir zumindest relativ sicher, eine asiatische Herkunft ausschließen zu können. Somit blieben noch der schwarze Kontinent und Westindien als mögliche Quellen, wobei ich Letzterem höchstens deshalb den Vorzug geben würde, weil der unglückliche Schotte dorthin unterwegs war. Doch zu dieser Erkenntnis seid Ihr zweifellos bereits selbst gelangt, wenn ihr Euch bereits den Werken des 2. Earls von Chatham zur Ergründung derselben widmet."
Gareth wickelt die Statuette wieder in die Tücher ein und überreicht Wickham das Bündel.
"Seht, Master Wickham, ich bin Medicus, kein Anthropologe, auch hat mir die Ausübung meines Berufes nicht die Zeit gelassen, Kunstwerke zu sammeln und zu studieren, weshalb ich auf diesem Gebiet nicht so bewandert bin, wie ich es sein könnte. Wenn ihr wollt, werde ich mir dennoch den Reisebericht des Earls zu Gemüte führen und schauen, ob ich dort etwas zu enthüllen vermag, das Euch verschlossen geblieben ist."

Auf Wickhams Gesicht steht deutlich die Enttäuschung geschrieben. Die Statuette des Schotten muss ihn ernsthaft beschäftigen und er scheint sich offensichtlich einige Antworten von Gareth erhofft zu haben. Missmutig überreicht er Gareth besagten Reisebericht mit den Worten "Nehmt es, Master Stratton, und studiert es genau. Ich erwarte, dass ihr mir jegliche Erkenntnis sofort mitteilt. Und behandelt das Buch gut, es gehört Euch nur leihweise."

Gareth murmelt ein ‚Natürlich’, verbeugt sich – dieses Mal richtig –, klemmt sich Shakespeares Werke wieder unter den Arm und verlässt mit den beiden Büchern Wickhams Kabine, indem er sich an Thomas vorbeizwängt.

Nachdem er die beiden Werke auf seiner Koje verstaut hat, begibt sich Gareth wieder auf Deck, mittlerweile müsste das Dinner soweit sein. Zwar ist ihm nicht nach Essen zumute, doch der Hunger treibt ihn Richtung Kombüse. Er würde sich wahrscheinlich wieder etwas zu Essen holen und irgendwo allein speisen, denn seine Laune ist ein weiteres Mal auf dem Tiefpunkt und Gesellschaft das Letzte, worauf er jetzt wert legt. Ob er Rose mit seinem Geigespiel später würde aufheitern können, bezweifelt er gerade stark.
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Lhankor Mhy
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Beitrag von Lhankor Mhy »

Die Kabinentür schließt sich hinter dem Medicus und Thomas wendet sich Wickham zu und schaut ihn fragend an. "Nehmt zwei Blutegel alle Stunde und konsultiert mich morgen wieder!" sagt Wickham enttäuschter Miene. "Thomas, erinnere mich bitte, falls ich es je vergessen sollte, daran IMMER meinem ersten Eindruck von der Befähigung eines Menschen zu vertrauen. Dies berücksichtigt, hätte es unserem guten Master Stratton einen seiner - für ihn wahrscheinlich gar gewohnten - peinlichen Auftritte erspart und wir hätten mit der verbliebenen Zeit etwas Bekömmlicheres anfangen können."

Wickham beginnt seinen Rock abzulegen, "Thomas, nur hurtig, denn es ist bald Essenszeit! Lege mir heute meinen grünen Rock zurecht und die helle Hose, bitte!" Thomas beginnt Wickham beim Umkleiden zu helfen und will schon die vom Medicus wieder sorgsam eingewickelte Statuette in einer der Reisetruhen verstauen, als Wickham ihn bittet, diese noch verfügbar zu halten: "Thomas, glaube nicht der Medicus war unsere letzte Hoffnung - es gibt noch eine andere." sagt Wickham und läßt das Bündel in einer der weiten Rocktaschen seiner Abendgarderobe verschwinden. Thomas ist etwas erstaunt: "Master Geoffrey, Ihr habt doch nicht etwa das vor, was ich jetzt gerade denke, daß Ihr es vorhabt, oder?", fragt er Wickham. Der lacht nur und setzt die Miene auf, die Thomas bei ihm vor allem mit dem Kartenspiel in Verbindung bringt.

Nach einer kurzen Weile sind Wickham und Thomas standesgemäß für das Abendessen hergerichtet und begeben sich in die Gemeinschaftskabine. Wickham geht zur Dame Rose hinüber, die augenscheinlich noch nicht umgekleidet ist: "Ich bin erstaunt, meine Liebe, daß Ihr noch nicht für das Essen bei Kapitän Clifford präpariert seid. Ihr saht nachmittags etwas unwohl aus. Ich nehme an Ihr fühlt Euch noch nicht wirklich besser? Habt Ihr in Erwägung gezogen, bei der guten Schwester Ilsegart nachzufragen. Sie kann Euch bestimmt Erleichterung verschaffen, wie es sonst an Bord wohl keiner kann." Thomas bemerkt, wie Rose Roberts etwas verlegen wirkt bei der Adresse seines Herrn. "Habt Dank für Eure Fürsorge, Master Wickham" antwortet Rose Roberts und hat sogleich ein feines Lächeln für Wickham parat, daß dieser mit einer leichten Verbeugung entgegen nimmt. "In der Tat," setzt sie fort "mir ist heute nicht nach ausgedehnter Gesellschaft und der Kapitän ist, wie Ihr ja wißt, ein etwas anstrengender Gastgeber. Daher will ich mir den heutigen Abend ruhiger gestalten. Zu einer Mahlzeit werde ich schon kommen, und vielleicht nehme ich Euren wohlmeinenden Vorschlag auf und werde mit der guten Schwester reden. Doch ich halte Euch aauf! Laßt mich um nichts willen ein Hindernis bei Eurem Vergnügen sein!" Mit diesen Worten gelingt es ihr einen leichten Knicks anzudeuten und sich sogleich wieder auf ihrem Lager niederzulassen. Wickham verbeugt sich nochmals und geht mit Thomasan Deck.

An der frischen Luft angekommen, wendet sich Wickham an Thomas: "Die gute Dame Roberts ist auf jeden Fall in unguter Verfassung. Wenn sie es aufgrund ihres Unwohlseins nicht schaffen sollte, sich etwas Nahrhaftes zu verschaffen, so wirst Du Dich darum sorgen. Mir ist ohnehin aufgefallen, daß sie ungebührlich viel Zeit mit dem so entschieden unstandesgemäßen Master Stratton verbringt. Daher wirst Du ein besonderes Augenmerk auf das Wohlergehen der guten Dame haben!" Thomas nickt dazu: "Aye, Master Geoffrey! Und werdet Ihr heute abermals versuchen die Offiziere ihrer Heuer zu berauben?" Wickham hält kurz inne und überlegt: "Ich weiß noch nicht so recht. Wenn das was ich vorhabe, neue Erkenntnisse erbringt, so komme ich gerne zu einem Spielchen. Falls jedoch nichts Neues dabei herauskommt, so werde ich mich mit der guten Schwester Ilsegart zu einem Gebet einfinden und hoffen, daß danach meine Nacht etwas erholsamer verläuft als die gestrige." Dies gesagt geht Wickham hurtig zur Kapitänskajüte und tritt ein.

Kapitän Clifford erwartet Wickham bereits etwas ungeduldig: "Ah, Master Wickham! Ich dachte schon, Euer Leibdiener hätte Euch den Appetit derart nachhaltig verschlagen, daß Ihr mich heute abend nicht beehren könnt. Aber seid getrost. Ich habe vorsorglich nur leichte Speisen anrichten lassen, auf daß Ihr Eure Leber etwas schonen könnt." Mit erkennbar gespielter Besorgnis schaut Clifford Wickham an: "Sagt, fühlt Ihr Euch wohl genug etwas Früchtetee zu Euch zu nehmen, oder seid Ihr bereits in der Lage etwas verdünnten Wein zu vertragen?"

Wickham sträuben sich etwas die Haare bei dem unzivilen Betragen des Kapitäns, doch antwortet er betont höflich: "Mein guter Kapitän Clifford, ich bin geradezu gerührt um Eure gutchristliche Fürsorge und möchte Euch beruhigen: mir geht es nicht nur bestens, es ist sogar eher der Fall, daß ich heute abenteuerlustig genug bin Euch zu bitten mir die an Land bekannte Hypothese der Trinkfestigkeit der Englischen Seeleute am praktischen Beispiele zu erläutern! Doch zuerst eine gute Grundlage, nicht wahr? Also zu Tische, Kapitän, da, wie ich ausrichten muß, die Dame Roberts sich heute unwohl fühlt und fernbleiben muß. Das heißt, wir sind heute nur zu zweit, Kapitän!"

Das folgende Essen läßt in Kapitän Clifford den Schluß wachsen, daß Wickham (leider) den Leberhaken besser verdaut hat, als er es erst gedacht hätte. Nachdem der andienende Matrose - der gleiche wie bereits gestern - den Tisch abgeräumt und sich entfernt hat, geht Kapitän Clifford in den hinteren Teil seiner Kajüte und kommt mit einer dunkelen Flasche wieder. "Nun, Master Wickham, was die Legenden über die Englischen Seeleute anbelangt, so laßt Euch aus sicherer Quelle", er zwinkert etwas belustigt, "sagen: ES STIMMT ALLES!"

"Ich bin auf meinen Reisen den unterschiedlichsten Menschenschlägen begegnet", sagt Clifford und schenkt sich und Wickham von dem Inhalt der Flasche ein. "Die meisten können einem vom Kontinent nicht das Wasser reichen. Es gibt sogar ein paar gegenüber denen selbst die Franzosen nicht wie Schwanzlose wirken würden. Doch habe ich kein Volk bisher besucht, daß es mit dem Englischen Volke an Mannbarkeit, Tapferkeit, Ehrbarkeit und allen sonstigen zivilisierten Tugenden aufnehmen könnte." Er schiebt Wickham dessen Becher zu und fährt fort: "Doch ist auch bei allen Vorzügen des Englischen Volkes, darinnen noch zu unterscheiden. Ich maße mir hier kein Urteil über Gruppen in unserer Nation an, die ich bisher nur am Rande kennenlernen konnte, doch von allen, mit denen ich je Umgang gepflegt habe, sind die Englischen Seeleute wohl Gottes begnadetster Menschenschlag. Sie sind in allen Tugenden ein Vorbild, sind vom Körper her stark und haben einen mutigen, entschlossenen Geist. Sie stellen das Beste der Englischen Nation dar und wo auch immer sie auf der Welt vor Anker gehen, da werden sich alle fremden Völker ihrer Unterlegenheit schmählich bewußt, selbst beim Anblick auch nur eines Englischen Seemannes! Und nun, auf den König und auf England, Master Wickham!"

Kapitän Clifford hebt seinen Becher und Wickham tut es ihm nach: "Auf den König, auf England und auf die Zierde der Englischen Nation - seine Seeleute!" setzt er noch eins drauf. Den Versuch den Becher in einem Zug zu leeren bereut er jedoch sogleich. Er hat das Gefühl, als wolle sich sein Körper gegen das Herunterschlucken dieser Flüssigkeit wehren, die bereits Anstalten macht, sich mit Höllenfeuerqualen wieder aus seinem Körper herauszubrennen. Keuchend greift Wickham zu einem Becher, den er mit Wasser füllt und gierig hinunterstürzt. Kapitän Clifford hingegen hat keine Miene bei dem Getränk verzogen, klopft Wickham aber beruhigend auf die Schulter: "Ja, ja. So geht es allen, die das erstemal dieses Getränk zu sich nehmen. Es stammt aus Westindien und wird dort aus Zuckerrohr gewonnen. Aber Ihr wollt doch jetzt nicht aufgeben, oder? Nur wenn man mehrere Becher geleert hat, kann sich der Körper an diese flüssige Gabe gewöhnen. Also, auf ein Neues!" sprichts und schenkt eine neue Runde ein.

Zwei, drei, vier Runden später - Wickham hat irgendwie wohl das Mitzählen vergessen - ist der Kapitän bester Laune und Wickham fühlt sich wie in weiche Daunenkissen verpackt. Der Kapitän hat bereits ein recht gerötetes Gesicht, und Wickham macht sich bereits Sorgen, wie er wohl zur Zeit aussehen mag, als ihm wieder etwas einfällt: "Sagt, Kapitän Clifford, ich sehe hier in Eurer Kajüte eine ganze Reihe von Andenken an Eure früheren Fahrten. Wollt Ihr mir die Bitte gewähren, und ein wenig über ein paar Eurer Mitbringsel berichten? Ich bin sicher, daß da ein paar hochinteressante Geschichten mit jedem einzelnen von ihnen verbunden sind."

Kapitän Clifford ist hocherfreut über dieses Ansinnen und stellt Wickham mit sichtlichem Stolz ein paar seiner Andenken vor, wobei die Erzählungen zu diesen Andenken nicht immer ganz verständlich sind, da sich die Zunge des Kapitäns langsam etwas selbständig zu machen beginnt. Nach einer Weile wird Wickham wieder etwas klarer im Kopf, nachdem der Kapitän wenigstens nicht mehr auf das Nachschenken besteht, da er mit Erzählen zu sehr beschäftigt ist. So sieht er den Moment gekommen und zieht ein kleines Bündel aus seiner Rocktasche, "Kapitän Clifford, es ist für einen wenig gereisten Mann, wie ich es bin, wirklich beeindruckend, mit welcher Kenntnis von der Welt Ihr ausgestattet seid. So reiseerfahren wie Ihr es seid, könnt Ihr mir vielleicht helfen, diesen kleinen Kunstgegenstand, den mir mein Leibdiener angetragen hat, etwas näher einzuordnen. Ich weiß nicht genau, wo mein Diener diesen her hat und der unaufmerksame Wicht hat es selbst auch bestimmt bereits vergessen. Er wird ihn wohl auf den Docks von einem der lästigen Händler erworben haben. Vielleicht ist es ja ein Glücksbringer für Seeleute? Was meint Ihr denn dazu?"

Wickham reicht dem Kapitän das Bündel mit der schwarzen Statuette, und der Kapitän beginnt es zu entwirren...
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Lhankor Mhy
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Beitrag von Lhankor Mhy »

Neugierig wickelt Kapitän Clifford das Bündel, welches ihm von Wickham gereicht wurde, etwas auf und nimmt dann die darin befindliche Statuette behutsam heraus.Aufmerksam gleitet sein Blick über die krude Form der häßlichen Figur. 'Seltsam', denkt sich Wickham, 'der gute Kapitän ist der erste, den dieses abscheuliche Machwerk nicht zu erschüttern scheint. Oder sollte seine Gefaßtheit dem hochgeistigen Destillat, welches er in rauhen Mengen in sich umgefüllt hat, zu verdanken sein?'

Nach wenigen Minuten stellt der Kapitän die Figur auf dem Tisch ab und schenkt sich noch einen aus seiner Flasche mit dem "Feuerwasser" ein. "Tja, mein guter Wickham, so etwas ist mir tatsächlich schon mehrfach auf meinen Reisen untergekommen. Diese Art Figur findet man gewöhnlich in der Neuen Welt. Manch ein Kapitän hat solche kruden Schnitzwerke als Kunstgegenstände von Übersee mitgebracht, doch ist diese Art Kunstwerk so wenig gefällig, daß man keinen rechten Preis dafür erzielen kann. So blieben die meisten darauf sitzen." Wickham hört aufmerksam den Ausführungen Kapitän Clifford zu: "Interessant! Könnt Ihr sonst noch etwas dazu sagen?"

Nach einem tiefen Zug aus dem Becher fährt Kapitän Clifford fort: "Der genaue Herkunftsort der Statuette, die sich Eure Diener hat andrehen lassen, ist mir leider nicht offenbar. Dazu gibt es auch viel zu viele Stämme unzivilisierte Heiden dort drüben, daß man alle kennen könnte. Jedoch vermag ich zu sagen, daß die Wilden, mit denen ich bisher Handel getrieben habe, eine gänzlich andere Kunstdarstellungsart verwenden. Eine, die übrigens auch bessere Preise bringt, weshalb ich leider in meiner Kajüte auch kein Beispiel dafür habe, um es Euch zu zeigen. Es gibt auf Gottes weiter Welt doch immer noch allzuviele unentdeckte Flecken, die den Geist der Zivilisation noch nicht kennengelernt haben. Daher ist es mir insbesondere eine Ehre das überlegene Englische Wesen in aller Welt zu verbreiten, solange auch noch ein guter Handel dabei zu machen ist. Darum ein Hoch auf Englands Kauffahrer, Master Wickham!" Er reißt den Becher schwungvoll nach oben, wobei ein ganzer Schwall des starken Inhalts sich über sein Handgelenk und seinen Ärmel ergießt und fordert Wickham zum Mittrinken auf.

Wickham schafft es nach nur kurzem Zögern sich seinen Becher abermals - und diesmal nur zur Hälfte - mit dem kräftigen Getränk zu füllen, dem Kapitän zuzuprosten und ohne - bzw. ohne heftigen - Würgereiz den Becher zu leeren. 'Das ist jetzt aber mehr als genug!' denkt sich Wickham. Während er dem Kapitän für dessen Hilfsbereitschaft ausgiebig dankt, wickelt er die Statuette behutsam wieder ein und verstaut das Bündel in seiner Rocktasche. Dann verabschiedet er sich so zügig, als es ein ziviles Betragen erlaubt.

Kaum wieder an der frischen Luft an Deck merkt Wickham, wie kräftig der seltsame Zuckerrohrschnaps von Kapitän Clifford eigentlich ist. Mit weichen Knien gelingt es Wickham nach längerer Zeit, als er es gedacht hätte, die Tür zur Gemeinschaftskabine zu erreichen. Er öffnet die Tür lautstark und tritt polternd und etwas unsicheren Fußes ein.

In der Kabine kann er sogleich Schwester Ilsegart ausmachen, der sein unsicherer Gang sofort auffällt. Sie steht auf und geht ihm ein, zwei Schritt entgegen, als sie in die ersten Ausläufer von Wickhams Schnapsfahne läuft. Angewidert bleibt sie stehen, schaut ihn vorwurfsvoll an und sagt: "Master Wickham! Ihr seid ja angetrunken! Glaubt Ihr, daß dies Euch die erhoffte Erleichterung für Eure Seele verschaffen kann? - Nein! Das kann es nicht!"

Wickham, bemüht seinen Verstand soweit von der alle Konzentration verlangenden Aufgabe des Nicht-Umfallens zu befreien um etwas sagen zu können, greift nach Halt an einem der Stockbetten in der Kabine, den er zu seiner Erleichterung auch schon beim zweiten Versuch findet. So gesichert wendet er sich an die Schwester: "GUTE SCHWESTER ILSEGART!" - 'Oh, das war ja lauter als es sollte' denkt er sich, als sich seine Stimme etwas überschlägt - "Wo war ich? Ach ja! Gute Schwester Ilsegart, ich hatte soeben das Vergnügen die hervorstechendste Eigenschaft der christlichen ENGLISCHEN SEEFAHRT" - 'Ei, schon wieder!' - "Äh, der Seefahrt in Gestalt unseres guten Kapitäns zu erleben. Aber seid nicht zornig mit meinem offensichtlich Einiges zu wünschen übrig lassenden Zustand. Es geschah für einen guten Zweck, da ich ein wenig mehr über das ERFUHR" - 'Oh, ich glaube mir wird etwas unwohl!' - "Das, was Ihr auch schon in Fingern hattet und was auch Master Stratton vergeblich befingerte, konnte mir der gute, gute Kapitän Clifford etwas erhellen." Wickham steht - nur mühsam - da und schaut die Nonne mit etwas glasigen Augen an.

Schwester Ilsegart spürt wie ihr Ärger über Wickhams Entgleisung etwas nachläßt und beschließt am nächsten Morgen Wickham über seine Verfehlung zu belehren, wenn er - hoffentlich - dafür aufnahmefähiger ist. Hier ist augenscheinlich erst einmal vonnöten, Wickham in seine Kabine und dort in seine Koje zu verfrachten. Da Thomas nicht in Sicht ist, beschließt Schwester Ilsegart zur zupackenden Art der Nächstenliebe und Barmherzigkeit zu greifen und legt sich Wickhams Arm, mit dem er sich mehr schlecht als recht an einem der Betten festhält über die Schultern und zieht ihn zu seiner Kabinentür. Nach einem gewissen Balanceakt, der ihr abgefordert wurde, um die Tür zu öffnen ohne Wickham zu Boden fallen zu lassen, gelingt es ihr Wickham in seine Kabine zu bugsieren, wo er sogleich erleichtert, obschon noch vollständig in Abendgarderobe, in seine Koje fällt. Schwester Ilsegart vergewissert sich noch, daß Wickham so liegt, daß er, falls ihm im Schlafe unwohl wird, nicht an seinem eigenen Auswurf ersticken mag, und geht dann leise aus seiner Kabine. Als sie die Türe wieder schließt, ertönt aus Richtung von Wickhams Koje bereits das charakteristische Schnarchen eines berauschten Schlafes...
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Dor Kalach
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Beitrag von Dor Kalach »

Thomas macht sich dünne.
Sein Herr will alleine sein, bzw. sich mit dem Kapitän unterhalten. Da stört er sowieso nur. Aber was tun? Gut, Hunger hat er... aber schon wieder den Fraß des Koches? Nun, es wird ihm nichts anderes übrigbleiben. Er macht sich auf in Richtung Mannschaftscasino, wo einige Matrosen bereits über ihrem Teller, gefüllt mit eigenartigem grauem Brei, kauern und sich murmelnd unterhalten.
Der Medicus hat sich mit seiner Schüssel in eine Ecke verzogen und scheint recht schlecht gelaunt zu sein.
Hatte er sich etwa mehr erwartet von seinem Besuch bei Wickham? Dachte er allen Ernstes ER könne mit ausreichendem Wissen hilfreich zur Seite stehen? Nein, sicherlich nicht. Mehr als gut fundiertes Halbwissen legt der Medicus wirklich nicht zu Tage.
Und dann diese Momente, die er mit Rose verbringt.

Thomas' Gesicht wird ernster. Der Gedanke an Rose in Verbindung mit Stratton schmerzt ihn verwunderlicherweise mehr als er erwartet hatte.
Dieser dahergelaufene...
Doch momentan lässt sich daran leider nichts ändern. Hoffen wir, dass sich Rose besinnt und sich besseren Ständen zuwendet. Apropos Stände.. Daß Stratton die Stände egal sind ist ja allgemein bekannt, aber Rose, die ja vorgibt von höherem Stand zu sein gibt sich augenscheinlich doch gar zu gerne mit dem Medicus ab. Wie ist das nun zu interpretieren? Spielt sie ihren Rang nur und gibt sich gewohnheitsmäßig mit des Medicus' Schicht ab oder ist sie was sie vorgibt und gibt sich unglücklicherweise mit demselben ab?

Thomas grübelt und setzt sich an den Tisch. Er löffelt lustlos den grauen Brei, der auffällig nach nichts schmeckt und brütet weiter vor sich hin. Die Matrosen scheinen ihn wie wohl auch Stratton zu ignorieren. Gut so!
Ich werde Rose ihr Abendessen bringen. Vielleicht hilft ihr das ja, auf andere Gedanken und weg von diesem Menschen zu kommen...
Thomas steht auf, geht zur Kombüse und spricht den Smutje an.
"Wehrter Herr, wieder stehe ich an Eurer Türe um eine Portion Eures köstlichen Essens, das ihr so trefflich für uns gezaubert habt, von Euch zu erbitten. Diesmal jedoch für eine Mitreisende, die ehrenwerte Rose Roberts, die aufgrund von Unpässlichkeiten nicht in der Lage ist, Ihr Abendmahl im Gemeinschaftsraum einzunehmen."
Mit einigem Gegrummel, aber doch von der Schmeichelei über sein Essen angetan nimmt der Koch einen Löffel und klatscht eine Kelle Brei auf den Teller und reicht ihn an Thomas. Da, nehmt, für Eure kranke Dame! sagt er mit einem eigenartigen Grinsen im Gesicht.
Was auch immer er damit meinte.

Thomas nimmt den Teller und bringt ihn zu Rose, die dankbar den Teller annimmt um so dem Abend mit Wickham zu entgehen.
Thomas verweilt geringfügig länger als nötig bei ihr, ohne allerdings mehr zu sprechen.

Anschliessend verkriecht er sich an Deck irgendwo zwischen 2 Seilrollen um gedankenverloren in den Himmel zu starren und seinen freien Abend zu geniessen.
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The Dodger
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Beitrag von The Dodger »

Mürrisch sitzt Gareth in der Ecke des Mannschaftscasinos und löffelt gedankenverloren die undefinierbare graue Masse, die der Smutje ironischerweise als Essen bezeichnet hat. Seine Gedanken kreisen immerwährend um jene krude schwarze Statuette, die Wickham ihm vorgehalten hat. Er weiß nicht warum, aber die Schnitzerei fasziniert ihn, hält seinen Geist für einige Zeit gefangen, auch wenn ihn die offensichtlich plumpe Machart und das hässliche Antlitz der Holzfigur eigentlich abstoßen. Als es seinen Teller leer gelöffelt hat, und daher seine verworrenen Gedankengänge für einen Moment unterbricht, bemerkt er, dass Thomas mittlerweile im Raum anwesend ist. ’Na, hat der Herr und Meister seinem Affen ein bisschen Freilauf gewährt?!’ denkt Gareth zynisch. Es entgeht ihm nicht, dass Thomas ihn des öfteren feindselig anblickt, nur um gleich wieder wegzuschauen, wenn sich ihre Blicke treffen. ’Was ist los, Großer, bin ich dir etwa auch auf die Füße getreten? Oder übernimmst du einfach die Verhaltensmuster deines Herrn, weil deine Dienste deinen eigenen Geist zu sehr abgestumpft haben?’ Während Gareth noch überlegt, ob er seine eigenen Vorbehalte überwinden und zu Thomas setzen soll, um etwaige Missverständnisse aus der Welt zu schaffen, da er sich nicht den Hass des großen starken Mannes zuziehen will, steht jener auf und verlässt eilig den Raum.

Einen Moment später begibt sich Gareth ebenfalls an die frische Luft. Unschlüssig, wie er den Rest dieses tristen Tagen verbringen soll, lehnt er an einigen Kisten, die völlig im Schatten der auf Deck befindlichen Laternen liegen, verborgen für jeden, der nicht nach ihm suchen würde. Kurze Zeit später eilt Thomas mit einer Schüssel jenes in jeder Hinsicht geschmacklosen Breis an ihm vorbei Richtung Passagierkabine. Da Schwester Ilsegart sich bereits einige Zeit vorher selbst versorgt hat und Wickham zweifellos wieder mit Kapitän Clifford speisen wird, kann dieser Teller nur für Ms. Rose bestimmt sein, die noch immer in ihrer Koje liegt, um sich von ihrem Schock am Vormittag zu erholen. Bei dem Gedanken muss Gareth lachen, doch es gelingt ihm, sich zurückzuhalten, so dass nur einen leises Kichern zu hören ist. ’Ist es das also? Ist der gute Thomas eifersüchtig?’ Im Schatten der Kisten wartet Gareth noch einige Zeit, die Ruhe an Deck und das sanfte Schaukeln der „Good Hope“ genießend. Nach etwa einer Viertelstunde – obwohl auch eine Stunde vergangen sein könnte, Gareths Zeitgefühl trügt ihn des öfteren, seit er an Nord ist – verlässt Thomas die Kabine wieder, verschwindet mit dem leeren Teller Richtung Kombüse und taucht einen Augenblick später wieder auf, nur um sich dann zwischen einigen Seilen zu verkriechen.

Kurz darauf gibt Gareth seinen Posten auf, schlendert gemütlich über das Deck und begibt sich geradewegs zur Passagierkabine, wo er nur Rose vorfindet. ’Wo ist Schwester Ilsegart?’ kommt es ihm in den Sinn, aber verwirft die Frage gleich wieder, da es ihn eigentlich vollkommen gleichgültig ist. Er geht zu seiner Koje, zieht den kleinen Koffer darunter hervor und packt seine Geige aus. Anschließend wendet er sich an Rose, der es mittlerweile wieder recht gut zu gehen scheint.
„Ms. Rose, wie ich sehe, habt Ihr Euch wieder erholt. Wollt ihr nun meine Einladung annehmen, und Euch den restlichen Abend von etwas Musik versüßen lassen?“
Rose schenkt ihm daraufhin ein Lächeln, bei dem er fürchtet, schmelzen zu müssen, nimmt den von ihm angebotenen Arm und die beiden gehen zu dem Platz, an dem Gareth schon am Abend zuvor gespielt hat. Gareth ist sich vollkommen sicher, dass Thomas sie gesehen hat, und eine Mischung aus Schadenfreude, Mitleid, Stolz und Furcht überflutet ihn, doch er schüttelt sie ab, als Rose und er sich setzen, und beginnt zu spielen. Sogleich ist das Deck von leisen und schönen Tönen erfüllt, mal fröhlich, mal romantisch, mal traurig, doch immer auf ihre Art und Weise bezaubernd...
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Daniel
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Beitrag von Daniel »

Der Tag war lang. Für die einen ging er bis an die Grenze der körperlichen Belastung und vielleicht auch darüber hinaus, manche bekämpfen die Einsamkeit mit romantischer Melancholie, andere suchen das Gespräch mit Gott. Das Knarren und Ächzen der Planken wiegt die Passagiere der 'Good Hope' in einen unseligen Schlaf...

Rose erwacht als erste, als sie im Dunkel der Nacht ein quitschendes Geräusch hört, und sie zieht verängstigt die Decke an sich. "Stratton" huscht sie und zupft an Master Strattons Decke, "Stratton! Wacht auf! Hört ihr auch dieses schreckliche Geräusch?" Stratton horcht auf und auch er kann das quitschende Geräusch hören. "Ja, es scheint vom Fenster zu kommen." flüstert er, obgleich auch der Rest der Kabine bereits wach ist und ungläubig zum Fenster starrt.

In die Stille fällt eine Schraube, die sich von der Verriegelung gelöst hat. Mit einem kräftigen eisigen Luftstoß öffnet sich das Fenster und stößt sogar die Tür zu Wickhams privater Kammer auf. Während Wickham noch immer schläft springt Thomas auf und kann seinen Augen kaum trauen. Hinter dem aufgestoßenen Fenster starrt die nicht schlafenden Passagiere ein schmaler, unbehaarter Kopf mit graugrünlicher Haut durch entstellt hervortretende Augen an. Rose schreit wie nie zuvor und auch Thomas muss in den Chor des Schreckens mit einfallen. Schwester Ilsegard bekreuzigt sich ohne Unterlass und spricht die Gebete so schnell, daß sie kein menschlicher Geist mehr erfassen kann. Einzig Stratton bleibt wissenschaftlich rational, ist jedoch sichtlich überrascht. Einen Augenblick, für Thomas und Rose eine Ewigkeit, später ist die Gesalt auch schon verschwunden. Stratton eilt zum Fenster um zu sehen wohin die grausige Gestalt gegangen sein kann, sieht im Dunkel der Nacht aber keine Spur. Allein... wo sollte sie auch hingegangen sein?

Durch das laute Geschrei geweckt erscheint auch schnell Sid Barnett, der Bootsmann und schreit barsch: "Was zum Klabautermann ist denn hier los? Gibt es eine Erklärung für solch ein Geschrei? Und warum ist das Fenster auf? Das Wasser läuft uns ins Schiff! Verantwortungsloses ...", als auch schon der Kapitän bereit steht. "Ja? Ich höre..." sagt der Kapitän, der wirkt als habe er eine Woche nicht geschlafen.
Zuletzt geändert von Daniel am Fr Mär 21, 2003 19:52, insgesamt 2-mal geändert.
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Lhankor Mhy
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Beitrag von Lhankor Mhy »

Jäh wird Wickham aus den süßen Traumgefilden seines "hochgeistigen" Schlafes gerissen. - Irgendwer veranstaltet einen infernalischen Lärm. - Ganz in der Nähe. - Irgendwer schreit. - Die Stimme wirkt seltsam vertraut.

Endlich gelangt Wickham aus dem tiefen Schlummer in einen entschlossenen Dämmerzustand. 'Das ist doch Thomas, der da schreit' erkennt er in seinem geistigen Nebelzustand.

Er fröstelt etwas. Es ist kalt. Von irgendwoher zieht es. 'Oh, ich bin ja noch angekleidet! Na, was soll's!', denkt er sich, tastet nach seiner Decke und zieht diese über sich. Er rollt sich etwas ein und vernimmt mit Genugtuung, daß das Schreien langsam nachgelassen hat.

"Thomas, über Deine Schlafstörung und den Höllenlärm reden wir noch morgen früh. Inzwischen wäre ich Dir sehr verbunden, wenn Du die Türe schließen könntest ehe wir hier alle erfrieren. Danke." sagt Wickham undeutlich und dreht sich auf der Koje um und sinkt binnen kurzem wieder in einen tiefen, seeligen Schlummer...
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Dor Kalach
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Beitrag von Dor Kalach »

Thomas erstarrt beim Anblick der Gestalt.
Nach einigen Sekunden beginnen antrainierte Bewegungsabläufe abzulaufen. Intuitiv stürzt er nach vorne, schlägt das Fenster mit voller Körperkraft direkt vor der Nase des Medicus zu (lauter Knall) und dreht sich dann so hin, dass er Rose und Ilsegard durch seinen Körper vor evtl. eindringenden Gefahren schützen kann. Stratton wird dabei ausgespart. Er ist schliesslich selbst Manns genug für sich zu sorgen.

Langsam realisiert Thomas sein Vorgehen, befindet es für gut und entdeckt nun den Kapitän, dem er Bericht erstattet.
"Ah, wehrter Kapitän, wie trefflich, Euch gerade jetzt hier zu sehen. Eine eigenartige Gestalt versuchte sich von aussen Zugang in unsere Kabine zu verschaffen. Ich hoffe doch daß keiner Eurer Matrosen Freund von so schlechten Scherzen ist, und versuchte unsere Nachtruhe zu stören. Deshalb vermute ich, daß irgend etwas anderes unseren Schlaf gestört hat und ich bitte Euch, dieses 'Etwas' aufzuspüren und zu beseitigen. Möglichst, bevor mein Herr aufwacht, da dieser recht ungehalten über die Störung sein wird."

Zu Rose gewand meint er: "Seid versichtert, daß Euch nun keine Gefahr mehr droht."
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The Dodger
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Beitrag von The Dodger »

Gareth kann gerade noch rechtzeitig den Kopf zurück in die Kabine ziehen, bevor Thomas das Fenster mit einem wuchtigen, von Panik erfüllten Schlag zuwirft, um sich anschließend beschützend von Rose und Ilsegart zu stellen und Kapitän Clifford mit gespielter Ruhe Bericht zu erstatten. Als er dann noch Rose versichert, dass keine Gefahr mehr drohe, muss sich Gareth ernsthaft beherrschen, nicht laut loszulachen. 'Dein Verdienst ist das sicher nicht, denn wie willst du eine Dame beschützen, wenn du beim Anblick des Wesens nur noch schreien kannst. Verbirgt sich hinter all der Größe und Muskelmasse vielleicht eine kleine Memme?'

Er tritt einen Schritt vor und stellt sich neben Thomas.
Wollt ihr Kapitän Clifford nicht eine genaue Beschreibung des Wesens geben, Master Thomas? Natürlich nur, wenn ihr Euch vor lauter Schreien noch daran erinnern könnt. Ich meine, wie soll Kapitän Clifford das Wesen aufspüren, wenn er nicht weiß, wie es aussieht.
Thomas wirft ihm daraufhin einen vernichtenden Blick zu, nickt aber dennoch und schildert Clifford groß die Erscheinung des nächtlichen Besuchers, so gut er dazu in der Lage ist. Gareth fällt dabei auf, dass Thomas beim bloßen Versuch, sich an dieses Etwas zu erinnern, merklich zittert. 'Das Wesen hat dir einen ganz schönen Schrecken eingejagt, was.' Gareth sieht sich in der Kabine um. 'Aber scheinbar nicht nur dir.' Rose, die sich mittlerweile auf ihre Koje gesetzt hat, ist kreidebleich und zittert ebenfalls am ganzen Körper. Schwester Ilsegart ist auf die Knie gefallen und betet noch immer. Von Wickham ist nichts zu hören, scheinbar schläft er noch immer. 'Der Mann scheint einen übermäßig gesunden Schlaf zu haben, dieses Geschrei kann doch kein Mensch überhört haben.'

Als Thomas geendigt hat, schüttelt Clifford leicht den Kopf.
Master, seid Ihr Euch sicher, dass Ihr Euch das nicht nur eingebildet habt? Die Beschreibung dieser Kreatur klingt doch sehr phantastisch. Ganz davon abgesehen, dass das Fenster doch nun wirklich gut geschlossen war, von außen nicht zu öffnen
Hierfür erntet er von Thomas und Rose ein empörtes und lautes 'Nein'.

Da Gareth das Gefühl hat, dass er der einzige ist, der das Erlebnis relativ ruhig überstanden hat, ergreift er das Wort:
Kapitän Clifford, wir alle haben dieses Wesen soeben gesehen. Solche Halluzinationen treten nicht kollektiv auf, und selbst wenn, wäre es eine so intensive gewesen, wie ich sie noch nie bei einem Menschen erlebt hätte und ich habe als Medicus bereits viele Patienten mit Halluzinationen und Wahnvorstellungen erlebt. Des weiteren kann ihnen jeder hier bezeugen, dass keiner der Anwesenden das Fenster geöffnet hat, und dass es gut verschlossen war, als wir uns zur Nachtruhe begaben. Seht, ich bin Rationalist, und so unglaubwürdig es klingen mag, die Kreatur, die Master Thomas soeben beschrieben, ist real. Und sie erklärt das offene Fenster in der Nacht zuvor.

Clifford überlegt einige Augenblicke und reibt sich dabei das Kinn.
Nun ja, ganz überzeugt bin ich nicht, Masters. Es klingt für mich nur wie eine weitere Geschichte vom Klabautermann. Ich glaube, ich muss darüber erst einmal eine Nacht schlafen. Meine Männer werden nach einer solchen Kreatur Ausschau halten, aber versprechen kann ich natürlich nichts.
Thomas und Gareth nicken dazu, und Clifford und Barnett verlassen die Kabine wieder. Nachdem sie die Tür hinter sich geschlossen haben, wird Thomas Gareth noch einen bösen Blick zu, geht wieder in Wickhams Kabine und schließt auch diese Tür.

Rose, Ilsegart und Gareth sich wieder allein. Die Schwester hat sich mittlerweile wieder einigermaßen beruhigt und hat aufgehört, zu beten. Unschlüssig, was jetzt zu tun sei, sitzt sie auf ihrer Koje. Rose dagegen ist noch immer ein Nervenbündel und als Gareth sich ihr nähert, blickt sie ihn aus ängstlichen Augen an und fragt stotternd: Was war das für ein schreckliches Ding? Was wollte es von uns? Oh, diese schrecklichen Augen! Ich habe solche Angst, dass es wiederkommt!
Ruhig, Ms Rose, beruhigt Euch. Ich bin sicher, dass dieses Wesen heute Nacht nicht mehr zurückkommen wird. Ich werde das Fenster gleich noch einmal überprüfen und so gut es geht verschließen. Und selbst wenn es wiederkommt, denkt daran, ihr seid nicht allein, die Seeleute sind immer in der Nähe, der gute Thomas nur einen Raum weiter und Schwester Ilsegart und ich selbst nur ein paar Schritt. Euch wird nichts geschehen, seid Euch dessen versichert. Und nun legt Euch hin und versucht, wieder zu schlafen.
Als sich Rose daraufhin zitternd wieder hinlegt, wendet sich Gareth dem Fenster zu. Das Fenster ist wieder gut verriegelt, bis auf die eine Schraube, die sich herausgelöst hat und die Gareth aufhebt und genau betrachtet. An der Schraube ist kein Spur von Gewalt oder sonst etwas zu erkennen, sie scheint sich einfach von selbst herausgedreht zu haben. Gareth ist auch völlig unklar, wie es der Gestalt gelungen ist, das Fenster von außen zu öffnen, und je mehr er sich darüber den Kopf zerbricht, desto seltsamer kommt ihm das ganze Szenario vor.
Gareth wendet sich Schwester Ilsegart zu, die noch immer auf ihrer Koje sitzt und ins Leere starrt.
Schwester, habt ihr irgendeine Vorstellung davon, was das eben gewesen sein könnte?
Ilsegart blickt ihn verstört an. Es muss eine Inkarnation des Bösen gewesen sein, ein Dämon oder ein anderer böser Geist der Hölle, der uns in Angst und Schrecken versetzen und uns vom wahren Glauben abbringen will. Was soll es sonst gewesen sein!? Daraufhin beginnt Ilsegart wieder zu beten.
Gareth begibt sich wieder in seine Koje und schüttelt unmerklich den Kopf. Natürlich, warum hat er die Schwester überhaupt gefragt, diese Antwort musste ja kommen. In dieser Nacht gelingt es Gareth nicht mehr, zu schlafen, zu aufgewühlt ist er von den Ereignissen der Nacht und des Tages. Seine Gedanken kreisen beständig um die Gestalt, die sie besucht hat, und die krude Figur, die Wickham ihm gezeigt hat. Bestand eine Verbindung? Seine Gedanken wandern weiter zu dem Pockennarbigen im Hafen mit der seltsamen Narbe auf der Brust und dem unglücklichen Schotten, dem ursprünglichen Besitzer der Statuette. Alles in allem scheint die Fahrt der "Good Hope" bisher unter keinem guten Stern zu stehen. Wo würde das alles noch hinführen? Während er daliegt und überlegt, bemerkt er am Rande, wie Schwester Ilsegart wieder zu beten aufhört, sich hinlegt und schnell schläft. Auch Rose scheint in einen unruhigen Schlaf gefallen zu sein. Aus der Kabine nebenan ist als einziges Geräusch ein lautes Schnarchen zu hören. Gareth ist mit seinen Gedanken allein, und sie lassen ihn die ganze Nacht nicht los.

Als schließlich das erste Licht durch das Fenster fällt, steht Gareth so leise wie möglich auf, kleidet sich an und schleicht an Rose vorbei aus der Kabine.
An Deck angekommen, wendet er sich dem Bug zu, lehnt sich dort an die Reling und lässt gedankenlos seinen Blick schweifen. Es ist ein sonniger, wenn auch windiger und recht kühler Morgen, und einige Matrosen gehen schon ihrer Arbeit nach. Was wird dieser Tag wohl bringen?
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Vera
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Beitrag von Vera »

Schwester Ilsegart erwacht aus einem unruhigen Schlaf. Der Vorfall letzte Nacht schießt ihr duch den Kopf und sie schaut instinktiv zum Fenster. Es ist geschlossen.
"Das war einer der vielen Diener des Leibhaftigen," murmelt sie beim aufstehen vor sich hin "einer von diesen Menschen hier an Bord muß ein Frevler des Wortes Gottes sein."
Schweigend zieht sie ihre Kutte an und begibt sich zum Bett der Miss Rose. Die junge Frau wälzt sich noch immer in unruhigen Schlaf im Bett hin und her. Besorgt zeichnet Schwester Ilsegart mit ihren Fingern ein Kreuz auf die Stirn der Frau und spricht leise:
"Gott möge Dich nicht in Versuchung führen und die heilige Jungfrau über Dich wachen."
Beim verlassen der Kabine fällt ihr auf das der Medicus schon nicht mehr in seiner Koje liegt.
"Ob er der Teufelsanbeter ist? Er erkennt die von Gott gegebenen Stände nicht an, und auch beim Gebet habe ich ihn noch nie beobachtet. Ich werde meine Mitreisenden genauer beobachten müssen und mir wieder die Praktiken der Teufelsaustreibung ins Gedächnis rufen."
Schwester Ilsegart begibt sich besonnen, aber immer noch grübelnd an Deck wo sie niederkniet und ihr Morgengebet spricht.
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Dor Kalach
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Beitrag von Dor Kalach »

Für Thomas ist die restliche Nacht eine Qual.
Tiefer Schlaf wird ihm wohl die nächsten Tage fremd sein.
Unruhig wälzt er sich in seinem Bett hin und her und erwacht schliesslich.
Er versucht verzweifelt nicht aufzuwachen, was ihm natürlich misslingt.
Bei einem kurzen Blick aus der Kajütentür auf das Fenster sieht er zwar, dass dieses zu ist, jedoch spiegelt sich in seinen Augen der Schrecken wieder und er meint die Figur erneut zu sehen. Er schüttelt den Kopf und schliesst die Augen. Ihm schwindet die Kraft in den Beinen. Was heute nacht noch automatisch in ihm ablief war eine Reaktion auf Gefahr, die ihm bzw. seinem Herrn bereits damals in Deutschland schon das Leben rettete.

Eben jenes Kopfschütteln und die Schwäche, die Thomas ergreift wird von Wickham beim Aufwachen bemerkt.
"Thomas, was ist Dir? Ist dir unwohl oder warum schaust du so blaß aus deinem Hemd? War deine Nacht etwa nicht erholsam? Ich habe tief und fest geschlafen, auch wenn mein Kopf sich heute morgen anfühlt als wäre er in Leinentücher eingeschlagen. So sprich doch endlich, was ist Dir?"

Thomas reisst sich zusammen und erzählt Wickham in knappen und kurzen, von Schauer unterbrochenen Sätzen was während der Nacht vorgefallen war:
"Letze Nacht Herr, hörte ich aus dem Nebenraum einen Schrei, der von Mrs. Roberts zu kommen schien. Die Tür sprang auf und ich sah durch sie hindurch ein gar seltsames Geschöpf, eine Kahle Fratze eines Mannes wohl. Diese starrte mich durch das geöffnete Fenster an. Sie muss Mrs Roberts doch sehr erschreckt haben. Ich sprang auf und schloss das Fenster wieder, als auch schon der Kapitän im Raume stand, mitsamt dem Bootsmann, dem ich auch Bericht erstattete. Ihr selbst habt tief geschlafen und ich wollte eure selige Ruhe nicht stören."

"Sag mir, Thomas, kannst du diese Gestalt zeichnen?" fragt Wickham und kramt nach seinem Block. "Nein Herr, nicht im Moment" winkt Thomas ab, "Doch seid gewiss, dass mir dieses Bild nicht mehr aus dem Gedächtnis weichen wird. Später vielleicht."

Thomas bekommt langsam wieder Farbe und beginnt, Wickham beim ankleiden zu helfen.

"Wir müssen schnellstens das Fenster untersuchen. Auch das Deck vor dem Fenster muss auf Spuren untersucht werden. Wie konnte man von aussen das Fenster öffnen, und wie verhindern wir das in Zukunft?
Thomas, während ich mich mit dem Kapitän berate wirst du dich auf dem Deck vor der Luke unsehen und nach Spuren suchen. desweiteren nimm die Luke genau in Augenschein und sag dem Schiffszimmermann, wie war noch gleich sein Name?, egal, sag ihm er soll das Fenster grob verlatten, dass kein Eindringen mehr möglich ist. Licht allerdings wäre schon noch schön. Und nun rasch, das Frühstück wartet."


Wickham entschwindet in Richtung Brücke und Thomas macht sich auf den Weg in Richtung Deck. Hunger hat er keinen mehr, der ist ihm vergangen.
Vorsichtig und umsichtig nähert er sich dem Deck, das vor dem Kabinenfenster liegt und sieht sich dort genau um. Spuren an Boden und Wand sucht er ebenso wie Fußabdrücke oder sonstige Hinterlassenschaften, die zu der Gestalt passen könnten.
Die Schrauben des Fensters scheinen von aussen nicht zu öffnen zu sein. Wie hat die Gestalt das Fenster geöffnet. Thomas steht vor einem Rätsel und grübelt...
... bis ihn eine Stimme anspricht und er jäh zusammenzuckt. Sr. Ilsegard ist es, die ihn anspricht und sich kurz mit ihm unterhält. Um Teufelsanbetung geht es und dass Thomas doch bitte ein Auge auf jemanden haben sollte. Sie reicht Thomas noch ein Fläschchen klare Flüssigkeit und lässt ihn wieder allein.

Thomas grübelt weiter und wandert zurück in die Kabine, wo er feststellt, dass ausser Rose niemand mehr im Raume ist. Der Medicus war schon früh weg und Ilsegard ging wohl zum Frühstück.
Thomas setzt sich an Roses Bett und betrachtet sie, wie sie daliegt und schläft. unruhig und schön.
Er kann scih gerade noch zurückhalten ihr über das Haar zu streichen, als Rose aufwacht. Erschrockene Augen blicken Thomas an.
"Habt keine Furcht, wehrte Mrs. Rose. Sagt, habt ihr die vergangene Nacht gut überstanden? Sonderlich angenehm war sie ja nicht gerade.
Ich denke wir sollten uns heute nachmittag nochmals über diese Nacht unterhalten, was meint Ihr?"
, sagts, lächelt ihr aufmunternd zu, wartet kurz, steht auf und verlässt den Raum, um den Zimmermann zu suchen, der das Fenster verrammeln soll.
Zuletzt geändert von Dor Kalach am So Apr 06, 2003 21:45, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von Lhankor Mhy »

'Das Beste an meinem derzeitigen Zustand ist wohl, daß es mir so vollkommen gleich ist, wie geschmacklos der Schiffskoch das Frühstück bereitet hat' denkt sich Wickham, während er ohne Enthusiasmus sein Porridge löffelt. Die gestrige "Unterredung" mit dem Kapitän hat er nicht ganz so spurlos verkraftet wie der Kapitän selbst - und das, obwohl Wickham reichlich praktische Erfahrung mit dem Thema exzessives Hingeben an hochgeistige Getränke hat. 'Der Kapitän hat jedenfalls meinen ehrlichen Respekt. Das ist das Holz aus dem der Stolz der Nation, Englands Seefahrer, geschnitzt sind. Ich wette, er hat heute sein Frühstück genossen und sogar noch einen Nachschlag verdrückt. Der Mann muß einen Magen mit Teerbeschichtung haben, daß ihm der westindische Fusel nichts ausmacht.' überlegt sich Wickham. Er hat sich in der Offiziersmesse niedergelassen, da er sich dem Lärm der Seeleute an Deck so kurz nach dem Aufstehen noch nicht gewachsen fühlte, als er aus der Gemeinschaftskabine an Deck trat.

'Mein armer Thomas' denkt er, als ihm die Erläuterungen seines Leibdieners zur nächtlichen Aufregung wieder einfallen, 'das hört sich beinahe so schlimm an, wie die Unerquicklichkeiten in Neuss vor ein paar Jahren. Wollen wir hoffen, daß sich der Vorfall bald aufklärt. Nur von selbst wird er dies wohl kaum tun.' Wickham seufzt, als er realisiert, daß ihm ein Gespräch mit Kapitän Clifford bevorsteht. 'Ich kann wirklich bestens darauf verzichten, den guten Kapitän täglich mehrfach zu belästigen, doch, wenn mir Thomas eine derart bemerkenswerte Vorkommnis berichtet, kann es daran keinen Zweifel geben.'

Nach einer kurzen Weile beendet Wickham sein Mahl und geht an Deck. Dort stehen in einiger Entfernung Thomas und Schwester Ilsegart in ein Gespräch vertieft. Wickham sieht dies mit Erleichterung, da die Schwester sicherlich besser im Trost spenden ist, als er es von sich selbst behaupten kann. In die Runde blickend wird ihm zum ersten Mal richtig bewußt, daß in keiner Richtung mehr Land zu sehen ist - zumindest nicht von seiner Position an Deck aus. Die ganze Welt scheint wie zusammengefallen auf einen winzigen Punkt, treibend in einem weiten und gefährlichen Ozean, den unbarmherzigen Elementen ausgesetzt. Und auf diesem Punkt gibt es etwas, daß in der Lage ist gestandene Männer wie Thomas zu ängstigen...

Wickham entdeckt den Kapitän auf dem Achterdeck und geht zügigen Schritts auf ihn zu. Irgendwie hat er den Eindruck, als würden die Seeleute ihn und die anderen Mitreisenden heute etwas spöttisch beäugen - aber das kann auch täuschen. 'Doch sind die Schreie in der Nacht sicherlich kaum zu überhören gewesen - immerhin bin ich ja auch jäh geweckt worden, wenn auch nicht auf Dauer.' überlegt er sich, als er das Achterdeck betritt.

Kapitän Clifford schaut etwas alarmiert auf, als Wickham auf dem Achterdeck erscheint - nein, schon wieder eine Extravaganz kann er heute Morgen nicht vertragen. Er will gerade zu sprechen ansetzen, als Wickham ihm das Wort abschneidet: "Kapitän Clifford, einen guten Morgen wünsche ich Euch und möchte - ganz direkt, so wie auf See üblich - Euch um eine Unterredung bitten. Angesichts der Vertraulichkeit des Inhaltes derselben, sollte diese besser in Eurer Kajüte stattfinden, wo wir ungestört ein offenes Wort austauschen können." sagt Wickham mit ernster Miene. 'Das ist nicht ganz, was ich erwartet habe' denkt sich der Kapitän und antwortet: "Ich nehme an, Ihr wollt mich wegen der Aufregung heute nacht sprechen. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, was es da wirklich so Wichtiges geben mag - vor allem so Vertrauliches, daß es nicht hier und jetzt an Deck besprochen werden kann, aber meinetwegen. Kommt, Master Wickham, gehen wir in meine Kajüte und bringen wir es sogleich hinter uns, da ich heute noch viel zu tun habe."

Kapitän Clifford geht vor und öffnet Wickham die Türe zu seiner Kajüte. Wickham atmet noch einmal kräftig durch, tritt ein und schließt die Tür hinter sich...
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