Ja, klar. - Das ist ja ein klassischer Stereotyp, der mit Sword&Sorcery verbunden wird, der aber interessanterweise in den Sword&Sorcery-Romanen so gut wie NIE auftaucht, weil die S&S-Helden nämlich vielleicht Barbaren, aber NICHT BLÖDE sind. - Es ist KEINE "Knallchargen"-Wir-ziehen-uns-den-Lendenschurz-an-und-bauen-nur-Scheiße-Runde, die ich anbieten möchte! Dafür ist D&D mit der Barbaren-Klasse da.
Sword&Sorcery ist NICHT "D&D-like Fantasy" und nicht "tolkienesk" und nicht "nett" und nicht "harmlos" und nicht "jugendfrei".
Was kennt Ihr denn so an Sword&Sorcery?
Die
Conan-Geschichten von Robert E. Howard? Oder seine
Solomon-Kane-Geschichten?
Die Lankhmar-Geschichten um
Fafhrd und Grey Mouser von Fritz Leiber?
Die
Kane-Geschichten von Karl Edward Wagner?
Die Romane um den
Ewigen Helden in den Ausprägungen
Elric,
Corum,
Hawkmoon,
Erekosë, usw. von Michael Moorcock?
Die
Jirel-Romane von Catherine Lucille Moore um die Schwertkämpferin Jirel?
Weitere Sword&Sorcery-Vorlagen?
Sword&Sorcery ist ein so völlig "un-tolkieneskes" Fantasy-Genre, daß endlich wieder das pralle Leben in eine Fantasywelt Einzug hält, statt hochelfischer Wachsfigurenkabinettschau.
Es wäre schon gut, wenn Ihr wenigstens die einen oder anderen Romane (meist sind es ja Kurzromane bzw. Kurzgeschichten) mal gelesen habt, da ihr dann eher mitbekommt, was die besonderen Qualitäten von Sword&Sorcery-Fantasy im Unterschied zum "Röhrenden Barbaren" aus den D&D-Klassenbüchern sind.
Die Charaktere haben eine außerordentliche Selbständigkeit, ein hohes Selbstbewusstsein und ihre eigene Moral, die OFT mit den gängigen Vorstellungen der - meist als dekadent, unehrlich und menschenverachtend dargestellten - Zivilisation aneinander gerät. - Die Charaktere sind knallharte, kompetente Kämpfer, Diebe, Piraten, Söldner, usw. - aber es gibt auch Priester (der 20 "guten" Gottheiten - ja, dazu zählen auch solche, die Meuchler in ihren Tätigkeiten unterstützen, da diese immer noch besser sind als die Alternative; es gibt auch noch eine Handvoll "BÖSER (tm)" Gottheiten, die auch nicht von Spielercharakteren als Priester vertreten werden sollten, da diese ziemlich übel sind und ich nicht nur Opfer-NSCs auf die Folter- und Schlachtbänke solcher Priester schicken mag - wer das spielen will, der sollte OD&D mit Supplement V "Carcosa" spielen, denn da ist ALLES drin, was man garantiert NICHT wissen will - und zwar für Spielercharaktere gedacht!). Zauberei ist selten und zu 99% sind Zauberer hundsgemeine Verräterschweine, hinterhältige Machtgeile, die alle und jeden über die Klinge springen lassen. Das verbliebene 1% sind die Spielercharakter-Zauberer. Zauberei ist sehr mächtig, macht den Charakter aber zu einem entstellten, gestörten Soziopathen und Außenseiter. (Warum bringt wohl Conan ständig Zauberer und Priester in den Originalgeschichten um? Und JEDER von denen hat es auch verdient!)
Die beiden Conan-Spielfilme sind - obschon Conan dort VÖLLIG ANDERS als in den Romanen und Kurzgeschichten dargestellt wird - ganz gute Inspirationsquellen: die Städte sind dreckig, stinken, sind verkommen, man kann niemandem trauen, alle - auch die Helden - sind Schurken, Diebe, Mörder, Gladiatoren, bis auf den einen Schamanen (Priester/Zauberer) sind ALLE Priester und Zauberer in diesen Filmen mörderische Arschlöcher und verdienen ihren Tod. - Sword&Sorcery ist das, was ein Mensch aus sich macht in einer Welt, die ihn FERTIG MACHEN will. - Der "nette Lendenschurz-Barbar" ist sowas von totem Fleisch, wenn er nicht auch noch wirklich schlau und fit und findig ist, daß er seine "Röhrender Barbar in Lederhose"-Nummer überleben kann.
Conan wird in den Geschichten eher anders beschrieben:
"Hither came Conan, the Cimmerian, black-haired, sullen-eyed, sword in hand, a thief, a reaver, a slayer, with gigantic melancholies and gigantic mirth, to tread the jeweled thrones of the Earth under his sandalled feet."
— Robert E. Howard, The Phoenix on the Sword, 1932.
Im Comic von Darkhorse übrigens sehr nah am Originaltext (siehe die Textfelder oben links und unten rechts):
Mir haben meine bisherigen Runden mit
Barbarians of Lemuria großen Spaß gemacht, weil hier ziemlich gut das klassische Sword&Sorcery-Gefühl aufkam, welches nur wenige Rollenspiele zu vermitteln imstande sind (D&D schon lange, seit AD&D 1st Ed. nicht mehr, aber dafür z.B. Stormbringer (BRP-System) oder auch Savage Worlds im Conan-Setting oder im Solomon-Kane-Setting).